Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 1. (Neue Folge, 1887)

Hauptmann R. Gerba: Zur Geschichte der Ereignisse in Bosnien und Montenegro 1853

92 G e r l) a. Zabljak (im Jahre 1423 von Stephan Crnogorac erbaut) liegt auf einem sechzig Meter hohen, isolirten, schroffen Felshügel nahe dem Nordende des Scutari-See’s von zwei Armen der Mala Moraca (Karatuna) umschlossen, die sich etwas unterhalb der Feste in den See ergiesst. Der Platz ist rings von Wasser umgeben, was auch der Name (deutsch: Froschort) einigermassen andeuten mag. Um die Feste herum, besonders von der Ostseite, liegt eine ziemliche Anzahl steinerner Türkenhäuser, meist Kula genannt. In der Befestigung selbst befanden sich drei Häuser, eine Moschee und ein Pulver-Magazin. 5 Nizam, reguläre türkische Soldaten, und 7 andere mit dem Commandanten Selim Aga waren innerhalb der kleinen Festung; 15 Soldaten endlich lagen in einer Kula ausserhalb der Mauer, so dass die gesammte Garnison von Zabljak aus 27 Mann und dem Commandanten mit drei fast unbrauchbaren Kanonen bestand. Die dreissig Montenegriner setzten Nachts in Kähnen über den Moraca-Arm, erkletterten auf mitgebrachten Leitern die Mauer und überfielen die aufgeschreckte, völlig unvorbereitete Besatzung, von der fünf Mann getödtet, vier aber, worunter drei Nizam, gefangen wurden. Der verwundete Commandant Selim Aga schloss sich mit dem Reste in eines der erwähnten Häuser ein, ergab sich jedoch auf Treu und Glauben am anderen Tage und erhielt freien Abzug nach Scutari. Der Pascha von Scutari Hess ihn mit einem Eisen lim den Hals ins Gefängniss werfen, weil Selim nur 27 Mann beisammen gehalten, während er den Sold für eine ungleich höhere Zahl jahraus jahrein bezogen haben soll.1) Auf die Kunde von der Einnahme Zabljaks sammelte der Präsident des Senates, Pero Petrovic, schnell an Kämpfern, was in der Nähe sich befand, und zog damit gegen Zabljak, wo sich auch schon Türken und Arnauten ihrerseits zahlreich einge­funden hatten. Beiläufig auf dieselbe Weise hatten die Montenegriner Zabljak, welches unter Ivan Crnojevic 1482 an die Türken verloren gegangen war, einmal im Jahre 1835 genommen, mit dem Unterschiede, dass ihrer damals nur zehn waren, wovon drei auch noch bei dem eben geschilderten Ueberfalle theilnahmen. (Augsb. Alig. Zeitung 1853, Nr. 28.)

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