Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 1. (Neue Folge, 1887)

Hauptmann R. Gerba: Zur Geschichte der Ereignisse in Bosnien und Montenegro 1853

90 Gerb a. 6. Es werden unmittelbar ausserordentliche Gesandte abge- schickt, um von diesen Beschlüssen sowohl den Fürsten Daniel, wie auch Se. Majestät den Kaiser von Russland in Kenntniss zu setzen.« Russland erkannte auch sofort den jungen Fürsten an, welcher durch diese Verfassungs-Aenderung Begründer einer erblichen und selbstständigen Dynastie wurde, deren zukünftiger Einfluss auf die benachbarten stammverwandten Lande keineswegs zu unterschätzen war. Die Pforte fürchtete nun, dass die Crnagora unter einer festen Dynastie über kurz oder lang vom Auslande als unabhängiges Fürstenthum anerkannt werden würde, falls es ihr nicht gelänge, die politischen Unterlassungssünden der früheren Jahrhunderte durch schleunige Unterwerfung des Landes wieder gut zu machen. In dem staatlichen Verhältnisse Montenegros zur Pforte war manches Unklare; geographisch bildete es unbedingt einen Theil der europäischen Türkei und auch seine politische Zugehörigkeit dahin ward im Auslande nicht in Zweifel gezogen, obwohl eine eigentliche Eroberung und in deren Gefolge eine dauernde Besitz­ergreifung des Gebirgslandes nie stattgefunden hat. Als Sultan Murad II. in der Schlacht bei Kossovo das ungarische Heer unter Hunyady vernichtete und Serbien zinsbar machte, unterwarf sich Montenegro, welches früher einen Bestand- theil des serbischen Reiches gebildet hatte, nicht und behauptete auch bei der natürlichen Festigkeit des Landes unter fast bestän­digen Kämpfen gegen die Türkei seine Unabhängigkeit. Es war ein Asyl für die serbischen Flüchtlinge, für verfolgte Christen, ja selbst für Verbrecher — es war ein Uskoken-Land gewesen. Die Türken hatten allerdings mehrfach Versuche gemacht, sich des Landes zu bemächtigen, aber diese Versuche scheiterten regelmässig an der eigenen Lässigkeit der Türken. Zweimal, im Jahre 1623 von Suleiman Pascha von Scutari und 1711 vom Grosswesir Köprili, wurde Montenegros Hauptort Cetinje zerstört und ein Vernichtungskrieg gegen die Einwohner geführt. Aber diese flüchteten sich in die entlegensten Theile ihrer Gebirge, aus denen sie wieder hervorkamen, sobald der Mangel die türkischen Heere zum Abzug nöthigte und erkannten so wenig Avie früher die Oberherrschaft der Pforte an.

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