Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 1. (Neue Folge, 1887)

Erinnerungen aus dem Leben des FM. Grafen Radetzky. Eine Selbstbiographie

Erinnerungen aus dem Leben des FM. Grafen Radetzky. 77 erschöpft, zum Rückzuge an den Rhein gezwungen werden würde. Die verbündeten Heere hätten dann die Mittel an die Hand gegeben, mittelst schneller Verfolgung den zweiten Theil des mosko- witischen Winter-Feldzuges herbeizuführen. Nothgedrungen gab Duka den offensiven Operationsvorschlägen unsererseits nach, als eine Diversion zu Grünsten der über die Elbe gegangenen schlesischen Armee unerlässlich nothwendig wurde. Er stimmte dieser Operation nur unter der Bedingung bei, dass jede entscheidende Schlacht gegen Napoleon vermieden werden müsse. Die Heerführer der verbündeten Heere, von dieser Stimmung unterrichtet, und hiedurch in dem Misstrauen, dass unser Hof den Sturz Napoleon’s nicht ernstlich beabsichtige, bestärkt, dann von den Umtrieben Langenau’s, welchen sie als einen Anhänger Napo­leon’s erklärten und als einen arroganten, herrschsüchtigen Intri- guanten zu kennen glaubten, endlich von der Leidenschaft der Eifersucht gereizt, missbilligten zwar nicht geradezu jeden Opera­tions-Entwurf, missdeuteten jedoch jede Bewegung, die, auf Sicher­heit der Unternehmung gegründet, zur Vorsicht neigte, und kritisirten jede Disposition, die nicht die schwerste Aufgabe dem österreichischen Armee-Corps zuwies. Hiedurch entstanden bei jeder Entscheidung die, auf die eigene Erleichterung berechneten, ausbiegenden Bewegungen, wodurch die schwierigste Aufgabe bei der Durchführung des Kampfes vorzüglich dem österreichischen Theile auferlegt wurde. Nach der Schlacht bei Leipzig beabsichtigte der königlich preussische General Adjutant, General-Lieutenant Graf Knesebeck, eine Beschleunigung der Operationen, während der im Haupt­quartier der Verbündeten anwesende FZM. Duka bloss zur Ver­folgung des geschlagenen Feindes bis an den Rhein rieth. Ich hegte die Absicht, die Hauptarmee schnell in der Richtung von Strassburg an den Rhein zu bringen, solchen zu überschreiten und dieselbe mit den, eben damals der Coalition beigetretenen Bayern in Verbindung zu setzen, während Blücher den französischen Kaiser gegen Mainz verfolgen und den Kronprinzen von Schweden in den Niederlanden eindringen lassen wollte. Allein der Kaiser

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