Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 1. (Neue Folge, 1887)

Erinnerungen aus dem Leben des FM. Grafen Radetzky. Eine Selbstbiographie

78 Erinnerungen aus dem Leben des FM. Grafen Radetzky. Alexander sowohl, als der König von Preussen hegten die Besorg- niss, Napoleon könnte umkehren und den preussischen Feldmar­schall schlagen. Aus diesem Grunde bestanden sie auf der gemein­schaftlichen Vorrückung über Frankfurt gegen Mainz, während sie den Kronprinzen einluden, den Feind aus dem nördlichen Deutsch­land und den Niederlanden zu vertreiben. In Folge dieser Ansicht wurde das österreichisch-bayrische Corps des FM. Wrede so schnell als möglich gegen den Rhein vorgeschoben, um den Rückzug der Franzosen wo nicht zu hindern, doch zu erschweren. Wrede rückte bis Hanau; da er sich aber um zwei Märsche verspätet hatte und, statt bei Gelnhausen Posto zu fassen, in der Ebene eine höchst nachtheilige Aufstellung nahm, vor deren Front sich ein Wald hinzog, deren rechter Flügel zwar an den Main gelehnt war, deren linker aber gar keinen Stützpunkt hatte, so konnte von dem Tage bei Hanau nichts Anderes erwartet werden, als was er eben brachte. Die Frage: Was weiter zu geschehen habe? wurde im Hauptquartier zu Frankfurt vielseitig angeregt, wobei sich aber die verschiedenen Interessen deutlich kundgaben. FZM. Duka verlangte eine verschanzte Aufstellung längs des Rheins; die Preussen, von allen Subsistenzmitteln entblösst und abgerissen, forderten entweder die Unterwerfung aller, zwischen der Weichsel und dem Rhein im Rücken des Heeres noch vom Feinde besetzten Festungen, oder aber eine Offensive gegen die Niederlande. Alle drei Souveräne waren darin einverstanden, dass man durch kluge diplomatische Unterhandlungen den Krieg seinem Ende zuzuführen trachten müsse und zu diesem Zwecke sollte auch wirklich ein nach Paris zurückkehrender westphälischer Diplomat mit den erforderlichen Vollmachten versehen werden. Ich war damals der Einzige, welcher sich dieser Meinung kühn entgegenzustellen wagte und auf der Fortsetzung einer kräftigen Offensive jenseits des Rheines bestand. Als sich die Monarchen endlich für meine Anträge entschieden hatten, wurden die Operationen darnach in Vollzug gesetzt. Die alliirten Truppen lösten ihre Aufgabe. Die Hauptarmee rückte mit ihrem Gros zuerst bis auf das Plateau von Langres, während sich Fürst Schwarzenberg links des Schlüssels der Schweiz, der Stadt Genf, versicherte und Blücher sich gegen die Marne hin der Hauptarmee näherte.

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