Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 1. (Neue Folge, 1887)
Erinnerungen aus dem Leben des FM. Grafen Radetzky. Eine Selbstbiographie
70 Erinnerungen ans dem Leben des FM. Grafen Radetzky. zu vernehmen, zur Schlussfassung dem Commandirenden, Fürsten Liechtenstein, den Vortrag zu machen und den Beschluss dann Sr. Majestät zu melden. Ich fand, dass ein Commando dieser Art ein Unmöglichkeit sei und war mit allen diesen Herren überzeugt, dass eine Fortsetzung des Krieges im December unausführbar wäre. Ich brachte bei der Sitzung Alles zur Sprache und Graf Zichy, Armee-Minister, sprach die Unmöglichkeit der Lieferung der Verpflegung aus, wenn nicht das Ober-Landes-Commissariat sechsund- dreissigtausend drei- und vierspännige Wagen beizustellen vermöge. Solches erklärte der Commissär Vegh als ganz unmöglich, sobald nur ein Russe die Karpathen überschreite. Da man das Gegentheil nicht verbürgen konnte, blieb die Verpflegung unsicher, somit auch jede Operation unausführbar. Hierauf wurden Fürst Liechtenstein und Bubna zur Unterzeichnung des Friedens nach Wien abgesendet, die Armee aber aufgelöst und in ihre Friedens-Quartiere gewiesen. Mit dem Eintritte des unglücklichen Friedensschlusses sanken die Finanzen dergestalt, dass Ersparnisse aller Art nicht mehr hinreichten, sondern Alles, was auf die Armee Bezug hatte, vernachlässigt wurde. Dadurch entstanden Lücken in allen Ausrüstungs- Vorräthen, so dass die Gewehre beschädigt oder ganz unbrauchbar in die Zeughäuser hinterlegt werden mussten. Diese arge Vernachlässigung der Armee in allen ihren Theilen hatte zur Folge, dass ausser dem im Jahre 1812 zusammengesetzten Hilfscorps von dreissigtausend Mann unter FM.Fürst Schwarzenberg und des zweiten, als Ergänzung für das erstere, unter Fürst Reuss in Galizien aufgestellten Corps nur Cadres von fünfzig Gemeinen bei den Compagnien der deutschen Regimenter vorhanden waren, welche Cadres kaum als Grundlage für eine Armee-Aufstellung dienen konnten.') Ich stand damals der Politik und den Verhältnissen des Staates ganz fern und arbeitete, wie jeder andere General, in *) Ich bat um eine Division in der Linie, allein Se. Majestät berief mich zu sich und forderte mich auf, die General-Quartiermeister-Dienste fortzuführen und als Hof-Kriegsrath einzutreten. So blieb ich in dieser Charge bis zum Jahre 1813, wo ich nach Prag gesendet wurde, um unter Commando des FM. Fürsten Schwarzenberg eine neue Armee zu bilden. (Original-Aufzeichnungen. Monza.)