Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 1. (Neue Folge, 1887)

Erinnerungen aus dem Leben des FM. Grafen Radetzky. Eine Selbstbiographie

Erinnerungen aus dem Leben des FM. Grafen Radetzky. 69 den verlorenen Schlachten so gesunken sei, dass Erzherzog Carl') nicht mehr das Commando der Armee behalten wolle. Wimpffen könne leichter die Stelle versehen, als ich, dem nichts von den Antecedentien bekannt sei. Es sei der Wille Sr. Majestät, war die Antwort, und ich konnte es nur dahin bringen, dass mich der Fürst nach Totis ins Hoflager mitnahm. Dort angelangt, erhielt ich von Sr. Majestät den mündlichen Bescheid: »Dass Sie nicht mit Absicht Dummheiten leisten werden, bürgt mir Ihr Charakter, und machen Sie gewöhnliche Dummheiten, so bin ich die schon ge­wohnt.« So musste ich gleich die Linie der Armee bereisen und eine verschanzte Stellung anordnen, in welcher bei allfälligem Angriffe die weitere Vorrückung des Feindes nach Ofen ver­hindert werden konnte. Es wurde die von Acs gewählt, so gut wie möglich durch Schanzen zur Vertheidigung eingerichtet und die Armee zur Vertheidigung dahinter in enge Cantonnirung gelegt. Mittlerweile gingen die Unterhandlungen in Wien fort. Napoleon, ungeduldig über die Zögerung, drängte auf ein Ulti­matum und verlangte den FM. Fürsten Liechtenstein mit noch einem General zu den Unterhandlungen. Ich erhielt den Auftrag, einen Operations-Vorschlag zu einem Angriffe auf den Feind zu machen, weil Staatsrath Baldazzi und Hofrath Lehmann Se. Majestät täglich zur Fortsetzung des Krieges, und zwar zum Angriffe, zu bestimmen suchten. Seine Majestät liess auch den nach Alt-Gradiska an der türkischen Grenze verwiesenen FML. Mayer kommen, konnte jedoch, da auch dieser zu einem Angriffe rieth, keinen entscheidenden Entschluss fassen. Ich entwarf zwei Angriffspläne; den einen über Hainburg gerade auf Wien, den anderen, mehr Erfolg versprechenden, um den Neusiedler See herum und über Mattersdorf gegen Wien. Ich bat hierauf, den Armee-Minister Grafen Zichy sowie den Landes- Commissär Vegh und den General Mayer zu einer Sitzung einzu­berufen, um sich der Mittel der Verpflegung und der hiezu erfor­derlichen Landesfuhren zu versichern. Ich war in Totis angewiesen, jede Meldung zuerst dem FM. Bellegarde, dem FZM. Duka und dem General Grafen Bubna mitzutheilen, deren Meinung darüber *) *) Erzherzog Carl war nach den erschöpfenden Anstrengungen seit Znaim sehr krank und legte schliesslich das Commando wegen Differenzen mit den Ministern und dem Hofe nieder.

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