Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 1. (Neue Folge, 1887)

Erinnerungen aus dem Leben des FM. Grafen Radetzky. Eine Selbstbiographie

über. Der auf einer Höbe liegende Thurm von Markgrafneusiedl war unverschanzt geblieben und wurde nur durch eines der zwölfpfiindigen Geschütze vertheidigt, weshalb es diesen sechs Massen ohne besondere Schwierigkeit gelang, die Höhe und den Thurm zu erreichen. Damit war der linke Flügel unserer Stellung umgangen und wir mussten eine Flanke bilden. Napoleon benützte diesen Umstand, verstärkte seinen rechten Flügel nur noch mehr und — die Schlacht war verloren. Nach der Eröffnung der Schlacht sendete der Erzherzog Carl den Major und Flügel-Adjutanten Fürsten Reuss als zweiten Boten an Erzherzog Johann nach Pressburg, um diesen einzuladen, mit den ihm zu Gebote stehenden Truppen den befohlenen Anmarsch zu beschleunigen und an der Schlacht Theil zu nehmen. Als aber kein Husar seiner vorrückenden Truppen erschien, musste vom linken Flügel, von welchem die Colonnen des vierten Corps sich bis auf Hohenleiten zurückzogen, der Rückzug über Bockfliess angetreten werden. Der übrige Theil der Armee retirirte auf der alten Strasse gegen Böhmen. Ich commandirte beim vierten Corps die Arriéregarde. Bei Wölkersdorf angelangt, fand ich Gelegen­heit, diejenigen Soldaten, die sich bis dahin verlaufen und zerstreut hatten, auf der hinter dem Orte Wölkersdorf befindlichen Höhe zu sammeln. Dadurch wurde dem Feinde der Glaube beigebracht, die Armee sei hier, und ich erhielt die Möglichkeit, den verfol­genden Feind den ganzen Tag aufzuhalten. Mit einbrechender Nacht setzte ich meinen Rückzug auf der mährischen Strasse gegen Brünn fort. Auf der letzten Post vor dieser Stadt kam ein französischer Parlamentär an und forderte den freien Marsch nach Brünn. Da mir nichts von einem Waffenstillstände bekannt war, so kam man dahin überein, den Befehl erst einholen zu wollen. Dadurch gewann die Armee einen ganzen Tag. Die Truppen bezogen eine enge Cantonnirung und ich erhielt eine Zwischen- Division zwischen der ungarischen und böhmischen Armee in Pistyan. Kaum dort angelangt, erfuhr ich meine Ernennung zum Chef des General-Quartiermeister-Stabes bei dem zum Feldmarschall ernannten Fürsten Johann Liechtenstein in Neuhäusel. Ich bat bei meinem Eintreffen in Neuhäusel um eine andere Anstellung, nach­dem ich mich nicht gewachsen fühlte, einen solch’ wichtigen Posten zu versehen, besonders in einer Zeit, wo der Geist der Armee nach

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