Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 1. (Neue Folge, 1887)

Erinnerungen aus dem Leben des FM. Grafen Radetzky. Eine Selbstbiographie

Erinnerungen aus dem Leben des EM. Grafen Radetzky. 67 seine detachirten Corps und Abtheilungen so concentrirte, dass jedem die Wahrscheinlichkeit der Wiederholung des Strom-Ueber- ganges klar vor Augen lag. Ich wurde nach der ersten Schlacht zum Feldmarschall-Lieutenant befördert und übernahm eine Divi­sion beim vierten Corps unter dem Fürsten Rosenberg. Wimpffen, zum General befördert, wurde zum Chef des Generalstabes ernannt. Alles hoffte und erwartete eine Unter­nehmung, als plötzlich der Feind Nachts, inmitten eines heftigen Gewitters, den Uebergang über den kleinen Arm der Donau bei der Lobau bewirkte und mit dem Brande von Gross-Enzersdorf bezeichnete. Nachts 12 Uhr kam die Disposition für den folgenden Tag. Der Fehler derselben lag in der Berechnung der Zeit. Der An­griff auf den Feind sollte um 4 Uhr erfolgen und zwei Corps konnten erst gegen 6 und 7 Uhr die Schlachtlinie erreichen. Demungeachtet hatten das erste und zweite Corps bald nach ihrem Eintreffen so viele Vortheile über den Feind errungen, dass, wenn diese benützt und unterstützt worden wären, man sich grosse Resultate versprechen konnte. Sie wurden aber nicht benützt. Um unseren linken Flügel zu durchbrechen, hatte der Feind alle Kraft und Anstrengung angewendet. Es standen auf diesem meist mährische Landwehr-Bataillone, dennoch könnte ich behaupten, wir würden auch da wenigstens nicht geschlagen worden und nach einer unentschiedenen Schlacht in unserer Stellung geblieben sein, wenn nicht der Oberst Simony einen unüberlegten, schlecht geführten Angriff auf sechs schon im Retiriren begriffene Regimenter ausge­führt hätte. Diese Attaké, im Gänsemarsche und nicht geschlossen unternommen, zwang die sechs Regimenter, sich in Massa zu for- miren und zu vertheidigen. Da Prinz Coburg, damals Oberst- Regiments-Commandant, dem vor ihm angreifenden Obersten Simony nachahmte und sein Regiment, EH. Ferdinand-Husaren,1) folgen liess, wurden beide Regimenter mit Verlust zurückgeworfen. Die im Graben zu dessen Vertheidigung aufgestellten Landwehr- Bataillone verhessen, um nicht von den zersprengten Husaren niedergeritten zu werden, theilweise ihren Posten, und die sechs französischen Regimenter ermannten sich und gingen zur Offensive *) *) Husaren-Regiment Nr. 3. 5*

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