Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 1. (Neue Folge, 1887)

Erinnerungen aus dem Leben des FM. Grafen Radetzky. Eine Selbstbiographie

66 Erinnerungen aus dem Leben des FM. Grafen Radetzky. nachtheiliges Gefecht verwickelt und gerieth auf der dortigen Brücke in ein blutiges péle-méle mit Masséna’s Truppen. Das Capitel erkannte mir hiefür das Command eurkreuz des Theresien- Ordens zu. Ich behielt die Arriéregarde bis St. Pölten, wo mich Schustekh ablöste. Ich ging hierauf bei Krems über die Donau. Nach dem Eintreffen der Armee blieb ich beim fünften Corps unter dem Prinzen Reuss und befehligte die Vorposten von Stockerau bis zur Schwarzen Lake. Bei der Ankunft des Generals Bubna, des General-Adjutanten des Kaisers, drang ich in denselben, sich schnell nach der Lobau zu verfügen, um dort das Regiment Duka-Infanterie') zum Halten zu beordern und dem Feinde den Uebergang nach dieser Insel zu verwehren. Dieses Unternehmen misslang jedoch. Nach der Ankunft der Avantgarde der Armee, welche General Graf Klenau führte, verfügte ich mich mit zwei Divisionen Uhlanen an die Spitze dieser Avantgarde. Ich wurde durch einen Jäger benachrichtigt, dass der Feind nicht nur die Insel Lobau besetzt, sondern auch den Donau-Arm überschritten habe und im Vorrücken gegen Stammersdorf begriffen sei. Bei einbrechender Nacht stiess ich auf den Feind; eine glückliche Attaké verschaffte den Uhlanen einige Beutepferde und hierauf lagerten beide Theile einander gegenüber. Der Feind benützte die Nacht, um den Uebergang seiner Armee bei der Lobau über die Donau zu bewirken, und wir, um uns zur Schlacht vorzubereiten. Ich wurde mit meinen Uhlanen an die Schwarze Lake und nach Stockerau zurückgewiesen. Die Schlacht wurde zu unserem Vortheil beendet. Hauptmann Magde­burg vom General-Quartiermeister-Stabe bewirkte durch Los- machung einer Schiffmühle, die er dem Strome überliess, die Zer­störung der Brücke, die Napoleon über den grossen Donau-Strom in die Lobau geschlagen hatte, und half dadurch den Sieg vollenden. Allein wir Hessen den Sieg unbenützt und vier Wochen verliefen in Unthätigkeit. Die Armee blieb in ihrer Ausdehnung hinter der Donau, mit ihrem rechten Flügel gegenüber von Linz. Mit ihr war die Armee unter Erzherzog Johann, welche bei Pressburg und in der Schütt stand,2) in loser Verbindung, während Napoleon alle 1) Infanterie-Regiment Nr. 39. 2) Auf dem rechten Donau-Ufer waren nach der Schlacht von R aab nur Insurrectionstruppen zurückgeblieben.

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