Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 1. (Neue Folge, 1887)
Erinnerungen aus dem Leben des FM. Grafen Radetzky. Eine Selbstbiographie
Erinnerungen aus dem Leben des FM. Grafen Radetzky. 65 schon seit einem Jahre kannte. Er forderte bestimmte Anträge. Diese erfolgten nicht nnd der Erzherzog Carl schickte Mayer ’) nach Gradiska und Prohaska trat unter der geheimen Controle Wimpffen’s an Mayer’s Stelle. Damit war bereits der erste Fehler begangen. Man concentrirte die Armee in Böhmen und brach nicht aus Böhmen an die Donau nach Regensburg vor, sondern verlegte die Concentrirung von Böhmen nach Oesterreich, wodurch Verspätung eintrat. Davoust konnte recht gemüthlich nach Regensburg kommen und sich der Donau bemeistern, während wir langsam und in kurzen Märschen uns dahin begaben. Napoleon gewann dadurch die Zeit, mit seiner Armee gleichzeitig mit uns an der Donau einzutreffen. Hier begingen wir den zweiten Fehler, indem mit der nutzlosen Einnahme von Regensburg abermals Zeit verloren wurde, anstatt aus dem Defilé von Rohr heraus nach Abensberg zu marschiren. Noch in diesem Defilé, wo der Angriff Napoleon’s abgewartet wurde, geschlagen, eilte der Erzherzog Carl mit der Armee nach Böhmen und liess das fünfte und sechste Corps unter Hiller auf dem rechten Donau-Ufer zurück. Diese Corps, von Napoleon gedrückt, zogen in steter Erwartung, die Donau übersetzen zu können, fechtend gegen Wien, um sich mit der Armee zu vereinen. Endlich erfolgte der Uebergang bei Krems und die Vereinigung geschah nach dem Eintreffen des Erzherzogs Carl bei Stammersdorf. Mir wurde während des ganzen Rückzuges die Führung der Arriéregarde Hiller’s zu Theil. Bei Wels angelangt, erhielt ich den Befehl von Hiller die Traunbrücke zu passiren und dann zu zerstören. Ich wusste jedoch, dass FML. Schustekh mit zwei Brigaden sich noch bei Efferding befinde und das feindliche Corps Suchet nur mehr auf halbe Marschweite entfernt sei. Sobald ich über die Traun auf das rechte Ufer ging, war Schustekh abgeschnitten und konnte der Gefangenschaft nicht entgehen, da Masséna bereits im Anmarsche auf Linz begriffen war. Ich entschloss mich deshalb, auf dem linken Ufer der Traun zu bleiben und Schustekh durch ausgeschickte Patrouillen zum Rückgehen einzuladen. Dies geschah, aber ich wurde bei Ebelsberg in ein ') General Mayer fiel in Folge von schweren Indiscretionen plötzlich in die Ungnade des Kaisers und wurde deshalb als Festungs-Commandant nach Gradiska gesendet. Mitth. des k. k. Kriegs-Archivs, Neue Folge I. 5