Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 1. (Neue Folge, 1887)

Erinnerungen aus dem Leben des FM. Grafen Radetzky. Eine Selbstbiographie

Erinnerungen aus dem Leben des EM. Grafen Radetzky. 47 verlegte Melas sein Hauptquartier nach. Savigliano. Von hier aus liess er die Feinde von Mondovi und Ceva über die Alpen zurückwerfen, schritt dann zur Cernirung und hierauf zu der Belagerung von Cuneo. Die Belagerung wurde dem FML. Fürsten Johann Liechten­stein übertragen; die Armee wurde in der Nähe von Cuneo mit der Front gegen Ceva aufgestellt und das Hauptquartier in Borgo San Dalmazzo genommen. Ceva und Mondovi hielten die Vorposten besetzt. Die zur Tranchéen-Besetzung erforderliche Zahl Truppen rückte aus dem Lager ab, so dass, wenn es erfor­derlich gewesen wäre, einer feindlichen Truppe Widerstand leisten zu müssen, solches nur nach Aufhebung der Belagerung hätte er­folgen können. Ungeachtet des sehr fatiguanten Dienstes herrschte unter den Truppen froher Muth und Heiterkeit, da Alles schon im Geiste der versprochenen Erholung in den Winterquartieren entgegensah. Es trat bereits die kalte Witterung ein, die dem Manne bei dem Mangel an Montur, vorzüglich an Mänteln, besonders empfindlich wurde. Das Holz ging zu Ende, auch wurde ausser den Kastanien, die aus den benachbarten Wäldern geholt werden mussten, Mangel an allen übrigen Lebensmitteln fühlbar. Mittlerweile traf Masséna, der neue Befehlshaber der franzö­sischen Armee, in Genua ein. Er beschloss die Entsetzung von Cuneo. Auch in Cuneo war grosser Mangel an Lebensmitteln ein­getreten, man sah deutlich Signale aus der Festung geben. Da er­eignete es sich, dass der aus dem französischen Hauptquartier ent­sendete, von uns aber schon bei der Belagerung von Mantua er­kaufte Spion1) aus dem jenseitigen Hauptquartier, statt zu dem ') Als man beim Vorrücken der vereinigten österreichisch-russischen Armee die Blokirung Mantuas dem FZM. Kray übertrug, wurde ich ihm als Generalstabs- Officier beigegeben. Eines Tages ritt ich in Begleitung eines Bussy-Jägers, eines alten Wallonen, aus, um etwas zu recognosciren. Es war bereits finster und mein Begleiter machte mich auf eine dunkle Gestalt aufmerksam, welche sich eiligst entfernte. Ich gab meinem Pferde die Sporen und als ich den Fremden erreicht hatte und fragte, wer er sei, antwortete er mir, ein gespanntes Pistol in der Hand: »Comme vous voulez, votre ami ou votre ennemi; avant que vous m’arretiez, je vous tue.« Bei der drohenden Bewegung, die er machte, erkannte ich unter dem ihn umhüllenden Mantel die Epauletten eines französischen Capitains. Ich entnahm aus seinen Worten, mit wem icli es zu tliun habe und stieg vom Pferde, um mich mit ihm in eine Unterredung einzulassen. Die Folge davon war, dass er mir eine Depesche, die er in seinen Schuhen versteckt hatte,

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