Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 1. (Neue Folge, 1887)
Erinnerungen aus dem Leben des FM. Grafen Radetzky. Eine Selbstbiographie
Erinnerungen aus dem Leben des FM. Grafen Radetzky. 45 Monte rosso in das Val Polcevera. Man erwartete allgemein, der Feind werde mit Kraft verfolgt, Genua bombardirt, hierauf der Gegner aus dem Genuesischen vertrieben und so ganz Italien von den französischen Truppen gereinigt werden. Allein der Mangel an Tragthieren, die Besorgniss um die Verpflegung und ganz besonders der Abscheu vor einem Gebirgskriege bestimmten Suworow, gleich am folgenden Morgen, und ohne auch nur ein Detachement zur Beobachtung des Feindes zurückzulassen, zum Rückzuge nach Alessandria. ') Hier traten verschiedenartige Veränderungen bei der Armee ein, meist schon Vorboten des abnehmenden Glückes des Feldzuges. Bellegarde und Kray wurden von der Armee zu anderen Bestimmungen abgerufen. Die unglücklichen Ereignisse bei der deutschen Armee und die zunehmenden Missverständnisse zwischen Russen und Oesterreichern bestimmten die betreffenden Regierungen, ihre Truppen von einander zu trennen. Die Russen marschirten vom Rhein ab und besetzten die Schweiz, und Suworow wurde angewiesen, Italien zu verlassen und sich mit Korsakow zu vereinigen. Dadurch wurde die Armee des Erzherzogs Carl, sowie die in Italien, bedeutend geschwächt. Die Franzosen waren auf dem halbrunden Plateau von Novi aufgestellt. Am rechten Ufer stand Bellegarde, dann kam Kray und das Centrum bildeten die Russen. Wir waren mit zwanzigtausend Oesterreichern in der Reserve. Die Russen griffen im Centrum an und bekamen furchtbare Schläge; wir sollten nun vorrücken. Da ich bemerkt hatte, dass unserem linken Flügel nur geringe Kräfte entgegenstünden, so rieth ich dem G. d. C. Melas vor mehreren höheren Officieren, er solle die rechte Flanke der Franzosen umgehen. Während Melas zu Suworow ritt, um ihm zu melden, was er vorhabe, führte ich die Truppen hin. Alle, die davon hörten, sagten: »Der Radetzky hat Recht«. Es gelang uns auch, beinahe in den Rücken der Franzosen zu kommen, wo wir dann einen Sturm mit zwölf Grenadier-Bataillonen unternahmen, der fast einem Frontmarsch glich. Wir warfen Alles über den Haufen und die Sache war entschieden. Nun hiess es, was soll jetzt geschehen? Verfolgen! Es wurden auch die nötliigen Befehle hiezu ertheilt, allein in der Nacht kamen von den Truppen-Commandanten zahlreiche Meldungen, welche, wegen des Mangels an Mundvorrath und an Munition, dann des gänzlichen Abganges der Transportmittel, nämlich der Tragthier e, es als eine Unmöglichkeit schilderten, in das vorliegende Gebirge einzudringen. So wurde denn der Befehl zur Verfolgung widerrufen. Dies ist die eigentliche Ursache, warum Suworow den Franzosen nicht in die Riviera folgte.