Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 1. (Neue Folge, 1887)

Hauptmann R. Gerba: Zur Geschichte der Ereignisse in Bosnien und Montenegro 1853

Bosnien und Montenegro 1853. 115 Die G ren z ver hältni sse der Montenegriner zu Oesterreich hatten sich bisher grösstentheils befriedigend gestaltet; österreichisches Gebiet war von den Crnogorcen seit längerer Zeit geachtet und nicht belästigt worden. Die Pforte dagegen hatte zudem durch ihre Haltung in der Flüchtlingsfrage aus dem Jahre 1849 sich gewiss mindestens keinen Anspruch auf Anerkennung von Seite Oesterreichs erworben. Flüchtlinge und Renegaten befanden sich sogar zahlreich in den Reihen der türkischen Truppen. Die k. k. Regierung konnte sonach kaum die Absicht haben, sich der Bewegung jenseits der Grenze hemmend und feindlich entgegen zu stellen, sie musste vielmehr der christlichen Be­völkerung der Balkanländer so viel billige Unterstütznng in dem Masse angedeihen lassen, als dem Rechtsgefühl und den Verhält­nissen angemessen erschien. In der Absicht der k. k. Regierung lag es nicht, einen eigent­lichen Krieg mit der Türkei anzufangen, welcher einen grösseren Aufwand an Kraft gefordert haben würde, als man zur Verfügung zu stellen geneigt war. Aber es durfte gehofft werden, durch eine temporäre Besetzung von Bosnien und der Hercegovina wenigstens den christlichen Völkern dieser Länder zum Rechte zu verhelfen und die endliche Einhaltung der zahlreich und feierlich gegebenen Versprechungen und Zusagen der Pforte zu erzwingen.1) Dem Banus FZM. Freiherrn von Jellaeié als Civil- und Militär- Gouverneur von Croatien, Slavonien und Dalmatien wurde sonach bedeutet, dass dort, wo nicht neutrales Verhalten unbedingt geboten sei, das Auftreten der österreichischen Behörden mehr schutz- bringend und vermittelnd für die christlich-slavischen Nachbar­völker zu sein habe. Alle diese Erwägungen traten indessen zurück gegen die ein­fache und natürliche Pflicht, die Unantastbarkeit der eigenen Grenzen kraftvoll und entschieden zu schützen. 1. In Dalmatien. Zunächst war es das Gebiet von Cattaro, welches bei dem voraussichtlichen Einströmen von Flüchtlingen jeden Alters und ’) K. A. 1853, Fase. 2, Nr. 275. 8*

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