Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 1. (Neue Folge, 1887)
Hauptmann R. Gerba: Zur Geschichte der Ereignisse in Bosnien und Montenegro 1853
104 Gerba. der Waffenablieferung sieb von der Pforte unabhängig erklärt und zum Theil an Montenegro angeschlossen hatten.1) Banjani und Zubci wurden unterworfen und am 15. Januar rückte die Colonne gegen Grahovo vor; der Vojvode Vujatic, ein geachteter, tapferer aber unerfahrener Mann, versuchte mit etwa 300 Bewaffneten zwischen Grahovac und Zaslap Widerstand zu leisten. Er wurde jedoch am 16. Januar bis in den Kessel vor Grahovo zurückgedrängt, worauf sich der grösste Theil der Grahover theils auf österreichisches Gebiet, theils ins Gebirge flüchtete. Der Vojvode hingegen mit 51 seiner Anhänger zog sich wirklich in sein festes Haus zurück und schloss sich in demselben ein, nachdem er vorher das Dorf hatte in Brand stecken lassen. Die Türken gingen sehr langsam und vorsichtig vor und bezogen um 2 Uhr Nachmittags an dem Felsen, welcher gleich einer Insel mitten in der Ebene hervorragt, auf der gegen Dragalj zugekehrten Seite ein Zeltlager und eröffneten gleichzeitig aus ihren zwei Geschützen das Feuer gegen das Haus des Vojvoden. Nach einigen Schüssen wurde stets ausgehalten und der Vojvode zur Ergebung aufgefordert, die er jedoch jedesmal verweigerte. Am 17. Januar wurde die Beschiessung bei fürchterlichem Wetter, der Regen fiel schon den zweiten Tag in Strömen, fortgesetzt; ebenso am 18. Nach wiederholten Angriffen wurde das Haus endlich am 19. gegen 9 Uhr Abends genommen und angezündet; der Vojvode aber, als er sich in eine nahe gelegene Höhle flüchten wollte, mit seiner Familie und mit 47 seiner Getreuen gefangen genommen.2) Derwisch Pascha und der gefangene Vojvode forderten nun die flüchtigen Grahover zur Rückkehr in ihre Häuser auf. Die meisten derselben waren jedoch, nachdem sie die Waffen beim Fort Dragalj abgegeben hatten, zu ihren Verwandten in die Kri- vosije gegangen. Später stellte Derwisch Pascha gelegentlich der Auslieferung von vier Deserteuren das Ansinnen, die flüchtigen Grahover auszuliefern, was von österreichischer Seite abgelehnt wurde.3) •) •) K. A. 1853, Fase. 1, Nr. 81. 2) K. A. 1853, Fase. 1, Nr. 128, 150. 3) K. A. 1853. 2, Nr. 57.