Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs 1. (Neue Folge, 1887)

Hauptmann R. Gerba: Zur Geschichte der Ereignisse in Bosnien und Montenegro 1853

Bosnien und Montenegro 1853. 105 Die Colonne des Reis Pascha griff die widerspänstige Rajah von Piva und Drohnjak an, welche sich sogleich ergab. Im Districte von Nikiié hatten die Bewohner auch Widerstand geleistet, jedoch nach hartnäckigem Kampfe der Uebermacht weichen müssen. Sie flüchteten sich nach dem Kloster von Ostrog, wohin sie von den Türken verfolgt wurden. Die geringe Besatzung des Klosters, be­stehend aus 22 Montenegrinern (darunter Mirko und Krco Pe- trovic, Maso Yrbica, Petar Vukotic etc.) vertheidigte sich durch neun Tage1) mit der grössten Tapferkeit, konnte sich aber doch nicht behaupten und gab das Kloster preis, nachdem sie zuvor aus demselben nebst dem Leibe des heiligen Basilius alle Kost­barkeiten, die nur irgend zu retten waren, in Sicherheit gebracht hatte. Danilo selbst mit 2000 Montenegrinern schlug jedoch die Türken unter Reis Pascha trotz ihrer Uebermacht bis Povija zurück. Reis Pascha hatte an den Fürsten von Montenegro folgende Zuschrift2) gesendet: »Von mir Reis Pascha an Zeko3) Petr ovié in Cetinje. Ich höre und die Leute bringen mir zu Ohren, dass Du Dich seit einiger Zeit aufblähst und Dir herausnimmst, den armen Ozrinskern zu verwehren, dass sie sich der Gnade des Sultans unterwerfen. Wenn dies Gjorgie thäte, würde es mich nicht befremden, da er ein Mann ist, den die Welt kennt, doch über Dich wundere ich mich, dass Du Dich in die Brust wirfst, wo Du keine Ursache dazu hast und Dich Niemand kennt. Lass ab, von dem Unheil, Bursche, das Du begonnen, versündige Dich nicht an Deiner Seele, dass Dich die Armen nicht verfluchen; Du weisst recht wohl, dass ich Montenegro erobern werde, und wenn ich auch sieben Jahre Krieg führen müsste. Ich höre, dass Du Jemand hast, der Dir die Hand reicht und ich wundere mich, dass es Leute gibt, welche die Hand in fremdes Spiel legen.« Auf dieses Schreiben gab der Fürst keine Antwort. Der gelungene Angriff auf Grahovo musste Omer Pascha dem Herzen der eigentlichen Crnagora näher führen. Anderseits *) Gopcevié, Montenegro und die Montenegriner. 2) Agramer Zeitung, Februar 1853. 3) Der Fürst Danilo trug den Beinamen »Zeko«, da er blaue Augen batte und die Montenegriner den Kindern nach der Farbe der Haare, der Augen oder der Haut Beinamen zu geben pflegen.

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