Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1886)
Über den Gebirsgskrieg (Aus den "Mémoires" des k. k. Kriegs-Archivs) Geschrieben im Jahre 1800 von Generalstabs-Hauptmann (späteren General-Major) Johann Mayer Edler von Heldensfeld
98 Über den Grebirgskrieg. Dass in Gebirgsländern mehr Vorsichtsmassregeln erforderlich sind und dass man hier selbst von Grundregeln zum Theile abgehen muss, ist aus den Betrachtungen über die Defensive ersichtlich. Im Gebirge gewährt das Terrain mehr Gelegenheit, etwas mit Vortheil gegen den Feind zu unternehmen. Die Vorbereitungen zu einem Angriffe können hier mehr verborgen bleiben, man kann hier, vom Terrain begünstigt, leichter aus den Fehlern des Feindes Nutzen ziehen, derselbe ist im Gebirge gleichsam eingeschlossen, in der Wahl seiner Massregeln beschränkt und man kann bei einem gelungenen Angriffe schon im Voraus genau bestimmen, was er dann machen kann und muss. In Gebirgsländern muss die Disposition zu einem Angriffe bis in das Detail und genauer ausgearbeitet werden, als in ebenen Gegenden, — jede Colonne muss bestimmt wissen, wie sie die Verbindung mit der Nebencolonne zu unterhalten hat, auf welchen Punkt die grösste Aufmerksamkeit zu richten ist, wohin sie sich bei einem siegreichen Angriffe wenden und wohin sie sich bei einem misslungenen Unternehmen zurückzuziehen hat, — letzteres hauptsächlich deswegen, weil man bei einem Unglücksfalle im Gebirge den Weg, auf dem man hergekommen, selten mehr einschlagen kann. Bei einem Angriffe im Gebirge muss man trachten, den Ausschlag mit jener Colonne zu geben, welche den mühsamsten Weg gegen des Feindes Flanke oder Rücken zu hinterlegen hat und auf deren Erscheinen der Feind am wenigsten vorbereitet ist. Wenn es nicht möglich ist, dieser Colonne Geschütze beizugeben, so muss man diese durch eine hinlängliche Zahl guter Infanterie ersetzen und der Colonne nach Umständen eine grössere oder kleinere Zahl Cavalleristen zutheilen. Im Gebirge ist überhaupt Geschütz schwer und meist nur in den Hauptthälern zu verwenden, und auch hier verliert es viel von seiner wahren Wirkung. Auch Cavallerie ist hier nur seiten in Abtheilungen zu gebrauchen. — Doch führten schon manchmal kleine Cavallerie-Abtheilungen, an einem Ort verwendet, wo man dies nie vermuthete, auf unglaubliche Weise die Entscheidung herbei. Ein Angriff in den Hauptthälern lässt am wenigsten einen guten Erfolg anhoffen, — es fehlt hier auch dem Angreifer an Raum zur zweckmässigen Truppenverwendung, jede seiner Bewegungen wird schon bei ihrem Beginne vom Gegner eingesehen, überdies hat Letzterer durch Kunst ein Annahen des Angreifers erschwert und sich durch Verschanzungen gesichert — und schliesslich erfordert ein solcher Angriff zu grosse Menschenopfer. Dort, wo sich der Feind durch die Natur und durch Verschanzungen am meisten gesichert glaubt, dort sind die Punkte, gegen welche der Angriff am kräftigsten durchzuführen ist, — dort wird ein unerwarteter Angriff den Feind überraschen, ihn in Schrecken