Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1886)

Über den Gebirsgskrieg (Aus den "Mémoires" des k. k. Kriegs-Archivs) Geschrieben im Jahre 1800 von Generalstabs-Hauptmann (späteren General-Major) Johann Mayer Edler von Heldensfeld

Über den Gebirgskrieg. 99 und Verwirrung setzen, dort ist ein glücklicher Erfolg mit den geringsten Verlusten an Menschen am wahrscheinlichsten. Im Gebirge muss man nie mit ganzen Colonnen auf einmal, sondern in mehreren, nach Umständen auf einige hundert Schritt ein­ander folgenden Abtheilungen angreifen, damit sich diese wechselseitig unterstützen und damit die zurückgedrängten Abtheilungen sich unter dem Schutze der nachfolgenden wieder sammeln können. Die im Gebirge unbedingt nöthige Reserve ist so aufzustellen, dass man sie hei einem siegreichen Vordringen sofort bei der Hand hat, und dass sie bei einem unglücklichen Ausgange den Feind in der Verfolgung aufhalte und den retirirenden Truppen als Ralliirungs- punkt dienen kann. Man muss ferner im Gebirge besonders darauf Bedacht nehmen, sich von den Fortschritten der Nebencolonnen zu unterrichten, — nie darf man hier einen Schritt machen, ohne dass die Tirailleurs alle Schluchten, Gebüsche und Waldungen durchsucht und stets muss man sich bestreben, die höchsten Punkte zu gewinnen, — denn nirgends gibt es mehr Gelegenheit zu Hinterhalten und Überrumpe­lungen, als im Gebirge und leicht kann eine Truppe durch dieselben in Unordnung gebracht werden, welch’ letztere, wenn keine grösseren Nachtheile, doch dem Feinde Zeit zu Gegenanstalten verschafft. Da bei einem Angriffe im Gebirge jede Colonne sich selbst überlassen ist, muss man mit grosser Sorgfalt talentvolle und thätige Commandanten für dieselben und besonders für die Hauptcolonne auswählen. Gestützt auf meine Erfahrungen, getraue ich mir als Grundsatz aufzustellen, dass man die Vor- und Nachtheile einer Offensive im Gebirge wohl überlegen muss und dass man, wenn man sich zu der­selben entschlossen hat, mit der Eroberung eines solchen Landes so rasch als möglich vorgehe und sich in demselben nicht aufhalte. In Gebirgsländern hängt der Erfolg immer nur vom ersten Hauptschlage ab, — ist dieser gut combinirt und gelungen, so muss man dem Feinde keine Zeit mehr lassen und ihm stets auf dem Fusse folgen. Kleine in die verschiedenen Thäler ausgeschickte Detachements, welche viel Lärm machen und überall das Gerücht aussprengen, dass ihnen unmittelbar eine starke Colonne folge, — erschrecken den Feind und lassen ihn nirgends zur Ruhe kommen. Mit solchen kleinen Detachements kann man im Gebirge ohne allen Men sehen Verlust leicht den Feind von einer Stellung in die andere werfen. Diese Abtheilungen haben die Vorsicht zu gebrauchen, dass sie nie den Weg gehen, den der Feind zurücklegte, sondern immer die Flanken und den Rücken desselben zu bedrohen suchen, während der Gegner in der Front nur sehr behutsam verfolgt wird. T

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