Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1886)

Über den Gebirsgskrieg (Aus den "Mémoires" des k. k. Kriegs-Archivs) Geschrieben im Jahre 1800 von Generalstabs-Hauptmann (späteren General-Major) Johann Mayer Edler von Heldensfeld

88 Die Richtigkeit dieser Vertheidigungsart Laben uns schon mehrere grosse Feldherren durch den glücklichen Erfolg ihrer Unternehmungen bewiesen; sowie andere Feldherren oft das Unglück ganzer Feldzüge verursachten, indem sie sich mit zu vielen Yertheidigungsanstalten sichern wollten, zwischen den einzelnen Stellungspunkten mehrere kleine Reserven aufstellten, dadurch ihre Truppen verzettelten und eine concentrirte Aufstellung derselben als überflüssig erachteten. Mit ihrem System alles vertheidigen und schützen zu wollen, vertheidigten sie eigentlich gar nichts, die einzelnen zerstreuten kleinen Truppen- Abtheilungen konnten nichts leisten, wurden gleichsam dem Feinde zur Speise hingeworfen und gingen verloren. Grosse Fehler mit schweren Folgen wurden im gegenwärtigen Kriege (1799) bei der Verteidigung von Gebirgsländern durch die fehlerhafte Taktik, und in Folge der Sicherheit, mit der man auf selbe vertraute, begangen. Gebirgsländer, wo jetzt ganze Feldzüge geführt werden müssen, hat man bisher nur ganz leichthin behandelt. Man suchte die Er­oberung eines solchen Landes durch siegreiche Fortschritte in den anstossenden Gebieten zu erreichen, oder man beobachtete den Feind nur durch kleine Corps in verschanzten Lagern bei den Debouchéen dieses Landes, beunruhigte ihn immerwährend durch schwache Streif- commanden und durch Parteigänger, erschwerte ihm dadurch die Zu­fuhren an Lebensmitteln und sonstigen Kriegsbedürfnissen aus seinen Magazinen, um ihn endlich zu zwingen, wegen Mangel an Subsistenz­mitteln das Land zu verlassen. Hohe Gebii’gsketten wurden als unprakticable Stützpunkte an­gesehen, schlechte Gebirgswege, beschwerliche Fusssteige, rauhe und wilde Gebirgsschluchten und Wasserrisse kamen in gar kein militärisches Calcul. Die schlechten Wege wurden nur für leichte Truppen in der Stärke von einigen hundert Mann zu Überfällen, Recognoscirungen, zu falschen Angriffen und Alarmirungen gebraucht; der Commandant einer Vertheidigungs-Stellung setzte sich über diese geringe Truppen­zahl hinweg, da ihm einige hundert Mann keinen wesentlichen Einfluss auf seine Stellung zu haben schienen. Gestützt auf diese Grundsätze, war man im gegenwärtigen Kriege (1799) oft mit Stellungen schon zufrieden, welche einen schicklichen Lagerplatz boten, und welche, wie man glaubte, die Hauptthäler und die meisten durch selbe führenden Communicationen sperrten und ver­theidigten. Befanden sich hohe Felsenmassen oder Gebirgsketten, über welche kein Weg führte, rechts und links der Stellung, so wurden diese sogleich als vortheilhaft, als unüberwindlich geschildert. Hiedurch beruhigt, verschanzte man die Front einer solchen Stellung, und sicher und stolz auf seine Erdmassen, glaubte man den Feind erwarten zu können. Doch zu wiederholten Malen liess sich der Feind mit bedeuten-

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