Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1886)
Über den Gebirsgskrieg (Aus den "Mémoires" des k. k. Kriegs-Archivs) Geschrieben im Jahre 1800 von Generalstabs-Hauptmann (späteren General-Major) Johann Mayer Edler von Heldensfeld
— auch im gegenwärtigen Kriege so viele üblen Folgen entstanden sind, und es sollte in der Militärsprache dieser Ausdruck gar nicht geduldet werden. Doch ist es wegen den vielen anderweitigen Geschäften einem Feldherrn nicht gestattet, ganze Tage mit mühsamen Herumklettern zuzubringen, es sind daher zur Erreichung der Absicht einige Generalstabs-Officiere, sowie Officiere von der Suite des Commandanten hiezu zu verwenden. Ebenso muss stets darauf gehalten werden, dass sämmt- liche Stabs- und Ober-Officiere der Regimenter partienweise in der Umgegend ihrer Dislocation die genauesten Recognoscirungen vornehmen, um alle vorhandenen Wege und Fusssteige kennen zu lernen, um sich vollkommen zu unterrichten, ob, wo und auf welche Weise die Gebirge zu ersteigen sind, und um überhaupt über die Beschaffenheit der Gebirgspartien zu verschiedenen Jahreszeiten stets Auskunft ertheilen zu können. Hiebei ist vorzugsweise auf die Gewässer und sogenannten Torrenten Bedacht zu nehmen, denn mancher Feldherr und Krieger ist durch selbe schon in die grösste Verlegenheit gerathen, mancher aber wusste selbe im Gegentheile meisterhaft zu benutzen. Um zu erreichen, dass jeder Officier sich genaue Landeskenntniss verschafft, ist es nothwendig, dass der commandirende General beim Einrücken seiner Truppen in eine fremde Gegend von den Regimentern und Bataillonen alsogleich eine Beschreibung dieser Gegend abfordertr dass er sich mit den Stabs- und- Ober-Officieren öfters über diesen Gegenstand in ein Gespräch einlässt, den thätigen Theil derselben sehr belobt und Unwissenden aber seine volle Unzufriedenheit auf das Nachdrücklichste fühlen lässt. Das ist das einzige Mittel, den Befolg- der so oft ergangenen Befehle zu sichern und hieraus Nutzen zu ziehen. Schon oft haben die Franzosen in diesem Kriege (Kriege der französischen Revolution 1799) sich wesentliche Vortheile über uns verschafft und dies hauptsächlich aus der Ursache, weil bei ihnen gewiss kein Subaltern-Officier sich befindet, dem nicht alle Wege und Schlupfwinkel in dem Lande bekannt wären, wo er einmal gestanden. Eine solche genaueLocalkenntniss wird für Stabs- und Ober-Officiere, welche mit ihren Dienstespflichten mehr als mechanisch bekannt sind, hinreichend sein, um mit Hilfe ihrer Erfahrungen dem erhaltenen Befehle gemäss das Zweckmässigste zu veranlassen und sich auf eine sehicksame Weise aus jeder Verlegenheit zu ziehen. Bei einem mechanischen und materiellen Menschen hingegen — an denen es leider in keiner Armee fehlt — nützt auch die beste Local- kenntniss von der Welt nichts. Pedantisch an dem buchstäblichen Ausdruck seines Auftrages festhaltend, versteht er nicht einmal die Absicht des Letzteren, ja, je mehr man sich Mühe gibt, ihm die Sache