Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1886)
Über den Gebirsgskrieg (Aus den "Mémoires" des k. k. Kriegs-Archivs) Geschrieben im Jahre 1800 von Generalstabs-Hauptmann (späteren General-Major) Johann Mayer Edler von Heldensfeld
Über den Gebirgskrieg. 81 begreiflich zu machen’, desto mehr wird er confus und findet Schwierigkeiten und Unmöglichkeiten in dem ihm ertlieilten Befehle; gerne würde er oft, wenn er hiebei für sein eigenes Interesse nichts zu befürchten hätte, eingestehen, dass er der Mann zur Ausführung dieses grossen Werkes, so klein es auch an und für sich immerhin ist, nicht sei. So stolpert dieser mechanische Soldat nach dem Orte seiner Bestimmung, recapitulirt bei sich alle mechanischen Exercitien, sucht mühsam aus allen Exercirzetteln und Lageranmerkungen sich Baths für seine Lage zu erholen, wiederkäut in sich alle nur möglichen Vorschriften des Dienst-Reglements und sieht bald in der schwachen Anzahl seiner Truppen, bald in der grossen Ausdehnung des Erdballes Unmöglichkeiten, die sich mit seinem Aufträge und seinen Grundsätzen von Geschlossensein, Arm an Arm u. s. w. gar nicht vereinbaren lassen. Und nun steht dieser Mann unentschlossen auf dem Flecke seiner Bestimmung, beruhigt sich am Ende mit der pünktlichen Einhaltung der Distanzen von 20, 40, 100 Schritten bei seiner Vorpostenaufstellung und erwartet getröstet die Zeit seiner Ablösung, aber öfter kann er selbe auch nicht mehr erwarten, indem er zum Spass und zur Unterhaltung seiner Gegner bald ihre Beute wird. Durch solche Männer, durch solche Pedanten, denen oft wichtige Posten anvertraut werden, entstanden in allen Kriegen die traurigsten Unglücksfälle und nachtheiligsten Folgen für die Armee. Diesen Übeln vorzubeugen und die Offieiere mit dem Gebirgs- kriege vertraut zu machen, glaubte mancher Commandant dadurch zu erreichen, wenn er sie durch eine schriftliche Instruction über die Vor- und Nachtheile eines gebirgigen Terrains, über die verschiedenen Verhältnisse im Gebirge und im ebenen Lande belehrte und ihnen begreiflich machte, dass die Truppenbewegungen in Gebirgsgegenden nicht auf dieselbe Weise wie in der Ebene, oftmals sehr mühsam und zuweilen gar nicht ausgeführt werden können. Doch, es ist im Gebirgskriege nicht hinlänglich, dass man die Officiere belehrt, wie und wo sie mit ihren Abtheilungen Posto zu fassen, durch welche Mittel sie sich in Thälern, Defiléen, Schluchten etc. zu sichern, wie sie bei einem Angriffe die vorhandenen Hindernisse aus dem Wege zu schaffen haben; es ist nicht hinlänglich, dass man ihnen den Vortheil zeigt, welchen man erhält, wenn man gegen den Feind zu, sei es beim Angriff oder bei der Ver- theidigung, stets ein Uberhöhendes Terrain zu gewinnen sucht; es ist nicht hinlänglich, wenn man den Officieren den wahren Bpgriff eines Flankenangriffes, einer Tournirung, wenn man ihnen die Nothwendig- keit einer Reserve — und diese ist im Gebirgskriege bei der kleinsten Abtheilung erforderlich — nach Proportion der Truppenstärke beibringt, und es ist endlich nicht hinlänglich, wenn man ihnen bestimmte Mittheilungen des k. k. Kriegs-Arcliivs. 1886. 6