Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1886)
Kriegs-Chronik Österreich-Ungarns. II. Theil. Der südwestliche Kriegsschauplatz im Donauthale und den österreichischen Alpenländern. (Mit eigener Paginirung)
20 Der dreissigjälirige Krieg. Kerschbaum. Leonfelden. Gel orsberg u. Zuckerberg Schulterzucker). Pramwald. Wels. Lambach. Ebenso glückliche Fortschritte machte der mit seinem Eegimente aus dem südlichen Böhmen herbeigerufene Oberst Preuner im Mühlviertel. Am 6. August schlug er die Bauern bei Kerschbaum und nahm am 18. Freistadt ohne Widerstand. Dreitausend Bauern, welche auf Leonfelden rückten, um diesen Markt anzugreifen, wurden von dem herbeieilenden Oberst Löbel mit grossen Verlusten geschlagen (30. August). Von Freistadt zog Oberst Preuner nach der Feste Neuhaus, verjagte die Besatzung und beseitigte die dortige Donausperre. In Folge dieser glücklichen Fortschritte der kaiserlichen Waffen unterwarf sich das ganze Land mit Ausnahme des Hausruckviertels, des eigentlichen Sitzes und Herdes der Empörung, welches erst am 7. September in eine allgemeine Waffenruhe willigte. Die Bauern erhielten gegen Auslieferung der Haupträdelsführer allgemeine Amnestie und die Versicherung, dass keine fremden Truppen das Land betreten würden. Da rief der unerwartete Einmarsch bayerischer Truppen, der übrigens ohne Wissen und Willen des Kaisers erfolgte, neuerdings eine gewaltige Erhebung hervor. Der Herzog Adolf von Holstein wurde nämlich vom Churfürsten von Bayern mit einem Eegimente Fussvolk und Eeitern auf der Donau nach Ober-Österreich gesendet. Bei Wesenufer stieg er an’s Land. Die Bauern hierdurch erbittert, griffen neuerdings zu den Waffen und überfielen in der folgenden Nacht die Bayern in ihren Quartieren. Der grösste Theil derselben wurde niedergemetzelt und ihnen die Bagage, Waffen und Geschütze abgenommen. Diesem Erfolge der Bauern folgte in kurzer Zeit ein noch weit bedeutender Sieg über das 6000 Mann starke Corps des Generals von Lindló, der vom Chur- fiirsten beordert worden war, die Bauern aus Weibern bei Aistersheim zu verdrängen, wo sie noch immer ein grosses Lager hatten. Anfänglich gelang es Lindló die Bauern bei Geiersberg und Z u c k e r b e r g '), östlich Eied, zurückzuwerfen; er gerieth aber am folgenden Tage in einen, von den Bauern im Pramwalde gelegten Hinterhalt und verlor bei 4000 Mann, das gesammte Geschütz und die Bagage. Ubermüthig gemacht durch diese Erfolge über die Bayern, beabsichtigten die Bauern nun neuerdings gegen Linz zu ziehen. Am 10. October wurde von ihnen Wels und am 12. Lambach, jedoch vergeblich, angegriffen. Als die vereinigten kaiserlichen Truppen der Oberste Löbel und Preuner zum Entsätze heranrückteu, zogen sich die Bauern nach Efferding, Weibern und Gmunden zurück, wo sie ihre Lager aufschlugen. Da endlich sandte der Churfürst ein neues Corps von 8000 Mann unter dem General Gottfried von Pappenheim nach Ober-Österreich. ') Jetzt Schulterzucker bei Pram.