Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1886)

Kriegs-Chronik Österreich-Ungarns. II. Theil. Der südwestliche Kriegsschauplatz im Donauthale und den österreichischen Alpenländern. (Mit eigener Paginirung)

Der Bauernaufstand in Ober-Österreich 162(5. 19 Am 24. Juni begann Fadinger Linz enge einzuschliessen und richtete an die dortige Bürgerschaft die Aufforderung, den verhassten Statthalter auszuliefern; er schnitt der Stadt hald alle Proviantzufuhren ab und bemächtigte sich aller Donauschiffe. Herberstorf dagegen liess die Brücke über die Donau und die Vorstädte am rechten Ufer nieder­brennen. Am 28. Juni wurde Stephan Fadinger bei einer Recognoscirung der Stadtmauern tödtlich verwundet und starb am 5. Juli in Ebels­berg. Mit seinem Tode verloren die Empörer den inneren Halt, ob­wohl sie damals bereits mit den auswärtigen Feinden des Kaisers, den Dänen und dem Grafen Mansfeld in enge Verbindung getreten waren. An Stelle Fadinger’s wurde ein Edelmann Achaz Wiellinger zum Oberhauptmanne gewählt, der aber nicht jene Autorität genoss, wie sein Vorgänger. In Linz war indessen die Lage eine bedenkliche geworden; es mangelte an Proviant und die ausgebrochene Ruhr for­derte viele Opfer unter der Garnison und der Bürgerschaft. Am 18. Juli gelang es sechs bayerischen Schiffen aus Passau, nachdem sie die über die Donau gespannten Ketten gesprengt hatten, 400 Muske­tiere, 17 Geschütze und ansehnlichen Proviant nach Linz zu bringen. Erbittert über diese gelungene Unternehmung, unternahm Wiellinger in der Nacht auf den 22. Juli den ersten Sturmangriff und zwar gegen das kaiserliche Schloss und eine Öffnung zwischen dem Schulthürl und dem Schmidtthore; er wurde jedoch mit grossen Verlusten zu­rückgeschlagen. Mittlerweile war es der kaiserlichen Regierung gelungen, Truppen zur Unterdrückung des Aufstandes heranzuziehen. In der Nacht auf den 24. Juli überschritt Oberst Löbel mit 2000 Mann die Enns, überfiel mit dem Morgengrauen die Bauern, welche in zwei Lagern die Stadt Enns enge umschlossen hielten und sprengte sie völlig auseinander. Zwei Tage darauf bemächtigte sich Löbel auch Ebels­bergs, wo er sich verschanzte. Wiellinger beschloss nun, noch vor Ankunft der Entsatztruppen, Linz um jeden Preis in seine Gewalt zu bekommen und liess am 29. Juli einen zweiten Sturm unternehmen, der aber gleichfalls mit grossen Verlusten für die Bauern abgeschlagen wurde. Er wandte sich nun mit einem Tlieile des Blokade-Corps nach Neuhofen und Gschwendt. Löbel folgte ihm nach, erstürmte am 17. August eine Schanze bei Kremsdorf, griff dann die Bauern unweit Neuhofen an und brachte ihnen einen Verlust von 1000 Todten bei. Von hier wandte sich Löbel wieder nach Ebelsberg zurück, übersetzte die Traun und erstürmte die von den Bauern hier aufgeworfene Schanze, wobei diesen mehr als 700 Mann erschlagen wurden. Löbel nahm nun in rascher Folge Steyr, Wels, Lambach und Gmunden. Die Blokade von Linz ward jetzt von den Bauern vollständig aufgehoben (30. August). 2* Linz. Enns. Neuhofen.

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