Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1886)

Kriegs-Chronik Österreich-Ungarns. II. Theil. Der südwestliche Kriegsschauplatz im Donauthale und den österreichischen Alpenländern. (Mit eigener Paginirung)

Feldzug 1620. 15 ) Vergl. Kriegs-Chronik I. Theil, Seite 14. Wien. Betz. Ybbs. Nikolsburg. an Geld und Lebensmitteln steigerten die Unzufriedenheit im böh­mischen Heere, welches durch Krankheiten viele Leute verlor, und in Ungarn war ein innerer Streit ausgebrochen, welcher Bethlen um seine bisherigen Erfolge zu bringen drohte. Endlich traten auch noch Misshelligkeiten zwischen den beiden Anführern ein und Bethlen kam zur Überzeugung, dass er einer ihm fremden Sache diene. Alles dies wirkte zusammen, um das Unerwartetste, nämlich die Aufhebung der Blokade von Wien am 6. December (26. Nov.) her­beizuführen. Bethlen wandte sich nach Ungarn und Thum kehrte nach Böhmen zurück. Wien war zum zweiten Male gerettet. Feldzug 1620. Im Frühjahre machte Buquoy mit seinen im Laufe des Winters verstärkten Truppen, welche sich nach und nach nördlich von Krems gesammelt hatten, verschiedene Bewegungen, welche die Absicht zeigten, nach Böhmen einzufallen. Der neue „böhmische König“ hatte den Fürsten Christian von Anhalt zum Oberbefehlshaber des böhmischen Heeres ernannt; dieser rückte sofort nach Niederösterreich, nahm Retz und liess Nikolsburg belagern l). Die österreichischen protestantischen Stände hatten sich schon im Januar gegen den Kaiser erhoben, 9000 Mann aufgeboten, und suchten die festen Plätze an der Donau in ihre Gewalt zu bekommen. Der Anschlag auf Krems und Göttweih misslang jedoch, nur Ybbs fiel in die Hände der Ober-Österreicher, ward denselben aber von dem rührigen Buquoy bald wieder entrissen. Dagegen fiel am 1. Februar (22. Januar) nach langer, hartnäckiger Vertheidigung Stadt und Schloss Nikolsburg. Um diese Zeit stiessen 4000 Kosaken, welche der König von Polen dem Kaiser zu Hilfe gesendet hatte, zu Buquoy. Sie hatten ihren Weg von Krakau mitten durch das aufständische Mähren ge­nommen, und dasselbe weit und breit verwüstet. Diese leichten Reiter leisteten den Kaiserlichen vorzügliche Dienste und machten sich dem Feinde bald furchtbar. Anfangs Februar ergriff das kaiserliche Heer die Offensive. Dampierre übersetzte bei Korneuburg die Donau und nahm im Vereine mit den Kosaken am 6. Februar (27. Januar) Nikolsburg wieder.

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