Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1886)

Kriegs-Chronik Österreich-Ungarns. II. Theil. Der südwestliche Kriegsschauplatz im Donauthale und den österreichischen Alpenländern. (Mit eigener Paginirung)

16 Der dreissigjährige Krieg. Langenlois. Maissau. Sltzendorf. Gars. Buquoy, welcher seinerseits am 10. Februar/31. Januar mit 8000 Mann die Donau bei Krems überschritten hatte, beschloss die bei Langenlois lagernden Böhmen zu überfallen. Diese erhielten hievon aber Nachricht und griffen nun selbst an, wurden aber mit Verlust von 1400 Mann geschlagen. Anhalt nahm mit seiner Hauptmacht das geschlagene Corps in der Gegend von Eggenburg — Maissau auf, wohin Buquoy, der sich mit Dampierre vereinigt hatte, mit der Absicht gefolgt war, sich endlich den Weg nach Böhmen frei zu machen. Allein Anhalt hatte sich vortheilhaft verschanzt, und wies zwei Tage lang die vereinzelten Angriffe Buquoy’s ab, welcher nun, auf seinen Plan verzichtend, sich am 12./2. März nach Krems zurückzog. Nach längerer Unthätigkeit beschloss Buquoy die Quartiere des weit zerstreuten böhmischen Heeres zu überfallen. Mit 3000 Reitern und 1000 Musketieren brach er in der Nacht auf den 13./3. April auf und langte in der Früh vor Sitzendorf an. Einige hundert Kosaken waren vorausgesandt worden mit der Aufgabe, diesen Ort in Brand zu stecken und im Falle eines Angriffes die Böhmen in einen Hinterhalt zu locken, den Buquoy mit dem Reste seines Corps unverweilt bezog. Der Plan gelang vollkommen. Der böhmische Feld­marschall Fels setzte den fliehenden Kosaken mit vier Reiter-Cornets hitzig nach, gerieth in den Hinterhalt und erlitt eine völlige Nieder­lage. Die Böhmen verloren 600 Todte, darunter den Feldmarschall Fels, und 300 Gefangene. Mit gleichem Glücke überfiel Dampierre mit 2000 Mann am 30./20. April Gars (südlich Horn), wo das Mannsfeld’sche Reiter- Regiment — und ungefähr 1000 Mann Fussvolk, — lagerten. Vier­hundert Mann wurden niedergehauen, der Rest zersprengt. Im Mai erhielt das böhmische Heer ansehnliche Verstärkungen aus Schlesien und Mähren, auch schloss sich Bethlen, der im Früh­jahre mit dem Kaiser einen Waffenstillstand vereinbart hatte, neuer­dings den Böhmen an, und sandte einige Tausend leichte Reiter. Anhalt, der nun über 30.000 Mann verfügte, hielt sich für stark genug, um Buquoy bei Krems anzugreifen und rückte Mitte Juni dahin vor. Die Schwierigkeiten, welche sich ihm bei den Verschan­zungen von Hadersdorf (nö. Krems) entgegenstellteu, sowie eine Meuterei in seinem Heere, welche durch das ungewöhnlich lange Aus­bleiben des Soldes hervorgerufen wurde, zwangen Anhalt von seiner Offensive bald wieder abzustehen. Inzwischen war es der Staatskunst des Kaisers gelungen, eine Coalition gegen die immer mehr erstarkenden Böhmen zu Stande zu bringen. Nicht nur der Papst, Spanien und die katholische Liga, son­dern sogar der protestantische Churfürst von Sachsen schlossen sich der Sache des Kaisers an.

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