Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1886)

Kriegs-Chronik Österreich-Ungarns. II. Theil. Der südwestliche Kriegsschauplatz im Donauthale und den österreichischen Alpenländern. (Mit eigener Paginirung)

14 Der dreissigjälirige Krieg. Bethlen war mit seinem Hauptheere bei Pressburg angelangt. Seine unter Rhedey nach Bruck a. L. vorgeschobene Vorhut wurde hier am 9. November (30. October) von Buquoy angegriffen. Anfangs glücklich kämpfend, wurden die Kaiserlichen schliesslich zum Rückzuge gezwungen. Indessen waren, dem verabredeten Plane gemäss, das böhmisch-mährische und das ungarische Heer bei Press- bux-g über die Donau gegangen. Buquoy wurde am 26./I6. November bei Bruck a. L. angegi-iffen und zum Rückzuge nach Wien genöthigt, vor dessen Thoren alsbald die Verbündeten, 70.000 Mann stark, erschienen. Die Kaiserlichen vei’fügten über circa 20.000 Mann. Der Kaiser, der von Graz herbeigeeilt war, um das Schicksal seiner Hauptstadt zu theilen, ordnete alle Voi’bereitungen zum Wider­stande an. Der Stadt mangelte es aber vor Allem an Lebensmitteln und es war zu fürchten, dass die zahlreiche ungarische Cavallerio die Zufuhren vollkommen abschneiden, und so die Übergabe Wiens hei-- beifüliren könnte. Allein noch bevor die Verbündeten eine regelmässige Belagerung eröffnen konnten, brach eine strenge Kälte ein. Mangel Wien. Brack a. L. musste, die dringende Aufforderung zur raschen Rückkehr nach Böhmen erhielt, hob er in der Nacht auf den 14./4. Juni die Blokade von Wien auf. Er überschritt die Donau bei Schwechat und marschirte in Eilmärschen nach Sobieslau, wo er sich am 30./20. Juni mit dem Grafen Hohenlohe vereinigte. Mitte August rückte Buquoy nach der Einnahme Pisek’s gegen Pi’ag vor und es war Hoffnung vorhanden, dass diese Stadt wieder gewonnen werde, als plötzlich der Verbündete der böhmischen Rebellen, Gabriel Bethlen, nach der Wegnahme Kaschau’s 5. September (26. Aug.) und Pressbui-gs I4./4. Octobei-, Wien bedrohte und dadurch Buquoy nicht nur aufhielt, sondern dessen Heranziehung nach Wien noth- wendig machte. Das böhmische Heer rückte dem über Horn nach Wien mar- schirenden Buquoy langsam nach, vereinigte sich bei Wilfersdorf am 23./13. October mit einem 12.000 Mann stai-ken Seiten-Corps Betlilen’s (unter Rhedey) und verdrängte Buquoy vom Bisamberge. Der kaiser­liche Genei’al musste sich nun in eine feste Stellung zur Vertheidi- gung der Donaubrücken zurückziehen. Thum, bei 28.000 Mann stai’k, griff den General Buquoy am 25./15. und 26./I6. October vergeblich in seinen Verschanzungen an, welche von den Kaiserlichen mit grosser Tapferkeit vei'theidigt wurden. Am 26./16. October räumte jedoch Buquoy den Brückenkopf und brach die grosse Donaubrücke hinter sich ab.

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