Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1886)
Kriegs-Chronik Österreich-Ungarns. II. Theil. Der südwestliche Kriegsschauplatz im Donauthale und den österreichischen Alpenländern. (Mit eigener Paginirung)
Im Jahre 1532 machte Suleiman II. abermals einen Versuch nach Deutschland vorzudringen. Er erschien mit 200.000 Mann vor Ofen und wollte längs der Donau gegen Wien vorrücken, wo ihn ein 80.000 Mann starkes christliches Heer erwartete. Der Sultan, hievon unterrichtet, wandte sich plötzlich gegen Güns, um durch die Steiermark nach Österreich einzufallen. Zur Maskirung seiner Absicht liess er 16.000 „Renner und Brenner“ über die Leitha nach Niederösterreich eindringen, durch welche Bewegung sich aber das christliche Hauptheer nicht täuschen liess. Als Suleiman II. durch den Widerstand, den er vor der Festung Güns gefunden hatte, zum Rückzuge durch Steiermark gezwungen ward, wurde das nach NiederösteiTeich eingefallene türkische Corps vollständig vernichtet. Zum Schutze der angeblich gefährdeten protestantischen Interessen hatten mehrere deutsche Fürsten zu Schmalkalden ein Bündniss gegen Kaiser Karl V. geschlossen. Sie eröffneten die Feindseligkeiten im Jahre 1546. Ein protestantisches Heer unter Schärtlin von Burtenbach wandte sich über Füssen nach Tirol, nahm am 11. Juli die Ehrenberger Klause und rückte gegen Innsbruck. Da das Tiroler Aufgebot dem protestantischen Heere zähen Widerstand leistete, räumte dieses Tirol und die Landesvertheidiger bemächtigten sich der Ehrenberger Klause wieder. Im Jahre 1552 fiel der Herzog Moriz von Sachsen in Tirol ein und gelangte bis Innsbruck. Bald darauf machte der Passauer Vertrag den Streitigkeiten zwischen dem Kaiser und den deutschen Protestanten ein vorläufiges Ende. Kaiser Ferdinand I. theilte im Jahre 1564 seine Erblande unter seine drei Söhne. Österreich, Böhmen und Ungarn erhielt Maximilian II., der auch römischer Kaiser wurde; Tirol mit den Vorlanden Ferdinand; Inner-Österreich (Steiermark, Kärnten, Krain, Görz und Triest) Karl. Unter Maximilian’s Regierung von 1564 bis 1576 breitete sich in Österreich die protestantische Lehre immer mehr und mehr aus, während die Herrscher von Tirol und Inner-Österreich den Katholicismus erfolgreich zu schützen wussten. Besonders kräftig trat der Erzherzog Ferdinand von Steiermark für die Satzungen des Augsburger Religionsfriedens ein und machte in allen innerösterreichischen Ländern dem Protestantismus durch eine energisch durchgeführte Gegenreformation ein Ende. Als der Erzherzog Ferdinand den damals an der Küste des Quarnero wohnenden Uskoken seine Unterstützung angedeihen liess, verwickelte er sich durch diese Parteinahme in einen Krieg mit der Republik Venedig (Uskokenkrieg 1615 bis 1617). Die erzherzoglichen Truppen verheerten das Gebiet von Monfalcone, wofür der venetianische General Martinengo durch die Besetzung des rechten Isonzo-Ufers Vergeltung übte. Der innerösterreichische General Trautmannsdorf sicherte rechtzeitig die Plätze Görz und Gradiska, so dass 10 Vorgeschichte.