Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1886)

Kriegs-Chronik Österreich-Ungarns. II. Theil. Der südwestliche Kriegsschauplatz im Donauthale und den österreichischen Alpenländern. (Mit eigener Paginirung)

8 Vorgeschichte. der die vereinten Kronen von Österreich, Böhmen und Ungarn trug, starb 1457 die Albertinische Linie aus. Kaiser Friedrich III. aus der Leopoldinischen Linie erwarb 1456 die Grafschaft Cilii und von den Ländern des Ladislaus Posthumus das Erzherzogthum Österreich. Dieses ward 1477 von Mathias Cor- vinus von Ungarn verheert; 1485 bemächtigte sich derselbe Wiens und behauptete sich bis zu seinem Tode im Jahre 1490 in ganz Niederösterreich. König Maximilian L, seit 1477 der Gemahl der burgundischen Erbin Maria, eroberte noch 1490 Wien für das angestammte Herrscher­haus zurück und drang siegreich gegen Stuhlweissenburg vor. Im Frieden von Pressburg am 7. November 1491 begnügte sich Maximi­lian mit der erneuerten Zusicherung der Erbfolge seines Hauses in Ungarn und Böhmen, sobald der jüngst zur Herrschaft berufene Zweig der Jagellonen-Dynastie erlöschen sollte. Als Kaiser Friedrich HI. im Jahre 1493 starb, hatte sein Sohn Maximilian I. die Herrschaft über alle Stammländer seines Hauses, deren südöstlicher Theil durch fast alljährliche Einbrüche der Türken heimgesucht wurde, wieder inne. Dazu erwarb er den Rest der Be­sitzungen der ausgestorbenen Grafen von Görz und mehrere tirolische Grenzbezirke. Die Eroberung von Neapel durch den König Kaid VIII. von Frankreich (1494) und die Theilnahme an der Liga von Cambray führten Maximilian I. zu weitläufigen Kriegen auf der italienischen Halbinsel, welche damals für mehr als zwei Jahrzehnte der Mittelpunkt aller europäischen Verwicklungen geworden. Mit der Absicht die österreichische Hausmacht zu vermehren, vermählte Maximilian I. seinen Sohn Philipp mit Johanna, der Tochter Ferdinand’s des Katholischen und späteren Erbin von Castilien, wodurch Karl, der ältere Sohn Philipp’s, König von Spanien und dessen Neben­ländern wurde. Seinen zweiten Enkel Ferdinand vermählte Maximilian mit der Schwester Ludwig’s II. von Ungarn und Böhmen, welche Heirat diese beiden Reiche in der Folge an Österreich brachte. Maximilian I. folgte von 1519 bis 1556 in der römischen Kaiserwürde sein Enkel als Karl V., der die deutsche und spanische Krone vereinigte. Karl V. trat Steiermark, Kärnten, Krain, Tirol, die österreichischen Vorlande und das jüngst erworbene Württemberg an seinen Bruder Ferdinand ab, der auch von den böhmischen, mährischen und schle­sischen Ständen als Herrscher anerkannt (1527) wurde, aber in Ungarn den Gegenkönig Johann Zápolya bekämpfen musste. Von den in seine Regierungsperiode fallenden Kriegen berührte der Krieg mit den Türken im Jahre 1529, niederösterreichisches Gebiet. Bei dem allgemeinen Interesse, welches die erste Vertheidigung W7iens gegen die Türken als eine der glänzendsten Waffenthaten des 16. Jahr­hunderts verdient, soll dieses Ereigniss etwas ausführlicher geschildert

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