Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1886)

Kriegs-Chronik Österreich-Ungarns. II. Theil. Der südwestliche Kriegsschauplatz im Donauthale und den österreichischen Alpenländern. (Mit eigener Paginirung)

Vorgeschichte. 5 Eugen und die Longobarden setzten sich jetzt in Pannonien fest. Als letztere im Jahre 568 aus Pannonien aufbrachen, um in Italien ein neues germanisches Reich zu begründen, überliessen sie ihre Länder dem türkischen Volke der Avarén. Mittlerweile waren auch die Marko­mannen der stets nach Süden gerichteten Wanderlust der germanischen Völker gefolgt und hatten sich zu beiden Seiten der Donau von der Enns bis zum Lech, dann südwärts bis zum Brenner ansässig gemacht; sie wurden seither mit dem Namen der Bajuvarier oder Bojoarier belegt. Die Avarén eroberten das Land vom Schwarzen Meere bis an die Alpen und die Elbe und unterstützten in diesem Territorium die Aus­breitung der Slaven. Am Ende des 6. Jahrhunderts besetzten die Slo- venen Pannonien und Carantanien, die Serben und Croaten Dalmatien und Istrien. Die Bayern behaupteten sich als Grenzwächter des frän­kischen Reiches in langwierigen Kämpfen gegen die Avarén und Slaven. Im Jahre 772 unterwarfen die Bayern sogar die Slovenen Carantaniens ihrer Herrschaft. Als der Bayernherzog Thassilo III. bei seinem Streite mit dem Frankenkönig Karl dem Grossen die Ein­mischung der Avarén veranlasste, gab dies den Anstoss zur Vernich­tung des Avarenreiches. Der Angriff Karl’s des Grossen auf die Avarén erfolgte 791 mit drei Heeren. Das Hauptheer rückte am rechten Ufer der Donau vor, ein zweites zog durch Böhmen und Mähren und ein drittes über die jütischen Alpen an die Save. Obwohl überall siegreich, zwangen missliche Verhältnisse den Frankenkönig den Kampf in diesem Jahre mit der Unterwerfung des Landes bis an die Mün­dung der Raab (Ostmark) abzubrechen. Erst als nach mehrjährigen Kämpfen der avarische Hauptring an der Theiss erstürmt wurde, konnten die Avarén als vernichtet angesehen werden. Von den eroberten Territorien wurde Croatien, Istrien und Carantanien zu der Mark Friaul geschlagen, während die schon 791 neu begründete Ost­mark Ober-Pannonien und das Donauthal bis zur Enns umfasste. Karl des Grossen Nachfolger Ludwig der Fromme acceptirte die auf die Reichstheilung basirte Erbfolgeordnung und führte dadurch innere Kämpfe herbei, aus denen das neu entstandene mährische Reich Vor­theile zog. Die Einmischung des grossmährischen Reiches in die Ver­wirrungen, deren Schauplatz die Ostmark geworden, verwickelte den Mährerfürsten Svatopluk von 892 bis 894 in einen Krieg mit dem westfränkischen König Arnulf. Letzterer, von dem finnisch-uralischen Volke der Ungarn unterstützt, machte dem grossmährischen Reiche ein Ende. Nach Arnulf’s Tode fielen die Ungarn, die Pannonien in Besitz genommen hatten, in das obere Donauthal ein, siegten (bei Wolfsthal unweit Hamburg?) über den bayerischen Heerbann und bemächtigten sich des Landes bis zur Enns. Ungeachtet des Sieges des Bayernherzogs Berthold bei Wels 944 und weiterer Erfolge in

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