Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1886)
Kriegs-Chronik Österreich-Ungarns. II. Theil. Der südwestliche Kriegsschauplatz im Donauthale und den österreichischen Alpenländern. (Mit eigener Paginirung)
6 Vorgeschichte. den Jahren 948 und 950 vermochten sich weder Deutschland noch Frankreich und Italien der Raubzüge der Ungarn zu erwehren, bis endlich im Jahre 955 König Otto I. am Lechfelde einen entscheidenden Sieg erfocht. Nach diesem Siege wurde Melk die östliche Grenzfestung der wieder hergestellten Ostmark, als deren erster Markgraf Burkhard genannt erscheint. Nach dem Sturze Heinrich des Zänkers von Bayern, im Jahre 975, wurde Kärnten nebst den italienischen Marken zum selbstständigen Herzogthum erhoben und 976 die Ostmark dem Babenberger Leopold dem Erlauchten übertragen. Leopold I. erweiterte die Ostmark in glücklichen Kämpfen gegen die Ungarn bis an den Wiener-Wald. Sein Sohn Heinrich I. erhielt von Kaiser Otto III. ansehnliche Schenkungen in Österreich, das unter ihm zum ersten- male so genannt wurde (Ostarrichi, — Schenkungsurkunde Otto’s III. vom 1. November 996). Markgraf Adalbert der Sieghafte (1018 bis 1056) erkämpfte gegen die Ungarn die Leitha als Grenze. Im Jahre 1055 fiel die von Kärnten abgelöste obere Mark an einen Grafen im Traungau, von dessen Stammburg Steyr sich der Name Steiermark auf die obere und untere Mark übertrug. Die später beginnenden Kreuzzüge weckten den Handel und nahmen günstigen Einfluss auf den Völkerverkehr in den Alpenländern. Unter dem Markgrafen Heinrich II. (Jasomirgott), der auf die von seinem Vorgänger bekleidete Herzogswürde in Bayern verzichtete, ward die Mark ob der Enns im Entschädigungswege mit der Mark unter der Enns vereinigt, beide Marken zum Herzogthum Österreich erhoben, mit bedeutenden Privilegien ausgestattet und am 17. September 1156 zum erblichen Männer- und Weiberlehen erklärt. Kaiser Friedrich I. suchte die bestehenden grossen Stammes- herzogthümer durch Errichtung kleiner neuer Herzogtliümer zu schwächen und erhob im Jahre 1180 die Grafen von Andechs zu Herzogen von Meran, als welche sie sich in Istrien und im heutigen Tirol mächtig ausbreiteten und den Markgrafen Ottokar VI. zum Herzoge von Steiermark wählten. Krain wurde von Kärnten abgetrennt und gleichfalls selbstständig. Als im Jahre 1192 der Stamm der Traungauer ausstarb, fiel Steiermark durch Erbschaft an den Herzog Leopold V., den Tugendhaften, von Österreich. — Leopold VI. (der Glorreiche) erweiterte seinen Besitz durch Ankauf in Krain und durch die Erwerbung der Städte Retz, Linz und Wels. Herzog Friedrich II. der Streitbare (1230 bis 1246) vergrösserte die Erwerbungen in Krain durch Heirat. Der kriegslustige Fürst zog sich die Reichsacht zu und musste sich seine bereits vollständig verlorenen Besitzungen neu erkämpfen. In einem Kriege gegen die Ungarn fiel er, der letzte des Mannesstammes der Babenberger, in der siegreichen Schlacht an der Leitha am 5. Juli 1246.