Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1886)
Kriegs-Chronik Österreich-Ungarns. II. Theil. Der südwestliche Kriegsschauplatz im Donauthale und den österreichischen Alpenländern. (Mit eigener Paginirung)
4 Vorgeschichte. Nach blutigen Kämpfen in Rhätien (15 v. Chr.) gelang den Römern die vollständige Besitznahme aller Länder auf dem rechten Ufer der Donau. Von einer vorübergehenden Bedrohung der römischen Donau- Provinzen durch germanische Stämme, unter dem Markomannen-König Marbod, und inneren Unruhen der illyrischen Völkerschaften abgesehen, wurde die Ruhe erst im Jahre 166 n. Chr. durch deutsche und sarma- tische Völker ernstlich gestört. Diese vereinigten sich zum Markomannen- Bunde und drangen über die Donau bis an die Grenzen Italiens vor. Erst nach grossen Anstrengungen gelang es den Römern ihr Gebiet von den Eindringlingen zu säubern. Seit dem Ende des 2. Jahrhunderts waren die Donau-Provinzen fast ununterbrochen der Schauplatz blutiger Kämpfe entweder gegen einbrechende, fremde Völker oder römischer Feldherren, die sich den Purpur angemasst hatten, untereinander. Die Kaiser Aurelianus und Probus stellten die Macht des römischen Reiches für kurze Zeit wieder hex-. Auch Diocletian wusste den immer nachdrücklicher werdenden Anprall der Feinde abzuwehren, hielt es aber für nöthig, Mithei-rscher zur besseren Vertheidigung des Reiches zu wählen (286). Die Hei-rschaft im römischen Reiche wurde in der Folge zwar wieder in einer Hand vei-einigt, bald jedoch wieder getheilt. Unter den Kämpfen, die um den Imperatortitel geführt wurden, verdient die Schlacht bei Mursa (Esseg) am 28. September 351 hei’vorgehoben zu werden, in welcher Constantius gegen den Prätendenten Magnentius die Alleinheri-schaft behauptete. Valentinian I. rächte im Jahre 374 die Zei-stöi-ung Carnuntums dui’ch die Gei-manen, indem er bei Gi-an über die Donau ging und den deutschen Volksstamm der Quaden ausi'ottete. Sein Bi-uder und Mitkaiser Valens war aber nicht mehr im Stande, das durch den Anstoss der mongolischen Hunnen in Bewegung gerathene Volk der Westgothen aufzuhalten, welches sich nebst anderen germanischen und sarmatischen Schaaren in Illyrien und Pannonien ausbreitete. Erst im Jahre 408, als die Westgothen weiter nach Süden gezogen waren, gelangte Dalmatien, Pannonien und Noi-icum wieder an das weströmische Reich. Das hunnisch-gei-manische Reich, welches sich von der Wolga bis zum Rhein erstreckt hatte, ward durch die Germanen in der Schlacht am Netad-Flusse (?), im Jahre 454 vernichtet und es siedelten sich nun die Ostgothen in Pannonien an, während die Rügen mit den Skyren und Turcilingern das Land der ehemaligen Quaden an der mittleren Donau besetzten. Rugische Stämme occupirten auch den östlichen Theil von Noi’icum, im westlichen hingegen wechselten markomannische mit alemannischen Schaaren. Odoaker, der mit deutschen Völkern nach Italien gezogen war und dort das abendländische Kaiserthum vernichtet hatte, zerstöi’te im Jahre 487 das Beioh der