Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1886)
Die Eroberung von Ofen und der Feldzug gegen die Türken in Ungarn im Jahre 1686. (Mit eigener Paginirung)
Das Treffen bei Szénta und die Einnahme von Szegedin. Ill Kugel einer Wallbüchse getödtet. Nebst dem General kamen mehr als 100 Soldaten seiner Escorte um das Leben. General-Feldwachtmeister Wallis, der nun das Commando übernahm, begann die regelmässige Belagerung und Hess Szegedin seit dem 13. October heftig beschiessen. Ein Erfolg der Kaiserlichen stand jedoch kaum zu erwarten, da die Ingenieure und Mineure wieder wenig Geschicklichkeit an den Tag legten und die, ungefähr 2000 Mann starke, feindliche Besatzung, in der sicheren Hoffnung auf einen baldigen Entsatz, hartnäckigen Widerstand leistete. — Schon nach wenigen Tagen erhielt Wallis durch einen ungarischen Kundschafter die Nachricht, dass 15.000 Türken und Tataren im Anmarsche begriffen seien, welche Szegedin entsetzen und proviantiren sollten. Der Grossvezir Suleiman, der mit seiner Armee in der Gegend von Belgrad verblieben wax-, hatte thatsächlich 7000 Mann abgesendet, welche das Belagerungsheer vor Szegedin durchbrechen und einer nachfolgenden Proviant-Colonne den Weg öffnen sollten. General Wallis von den Anschlägen der Feinde unterrichtet, beorderte am 19. October Abends den GFWM.Veterani mit 10 Regimenten! (Sachsen- Lauenburg, Caraffa, Gondola, Vetei’ani, Lodron, Sainte-Ci’oix, Truchsess, Götz, Castell und Magnii, die alle schlecht Bei’ittenen zurücklassen mussten, und den Huszárén Barkóczy’s gegen Szénta, das bereits von der ersten feindlichen Colonne besetzt war. — Der Obrist Graf Castell befehligte den x-echten, der Obrist Sainte-Croix den linken Flügel und Obrist Götz sollte mit zwei Di’agoner-Regimentei’n sich des Ortes Szénta bemächtigen und das rechtzeitige Eintreffen der zweiten türkischen Colonne verhindern. Graf Veterani wollte den Feind überraschen und Hess deshalb unter Einhaltung der möglichsten Stille marschiren. Als aber der Feind dennoch die Annäherung des kaiserlichen Reitercoi’ps wahrnahm, warf sich Veterani, ohne erst den Anbruch des Tages abzuwarten, mit Ungestüm auf die ihm gegenüber stehenden Tataren, und ti’ieb sie mit der ersten Attaké in die Flucht. Gleichzeitig griff Obi’ist Götz die in Szénta befindlichen 2000 Türken an, ei’stürmte mit den Dragonex-n die Palanka und hieb in dieser 300 Janitscharen nieder’. Der Rest der Besatzung wollte fliehen, war aber von Veterani bereits umzingelt und wurde fast bis auf den letzten Mann aufgerieben. Die Kaiserlichen, welche sich im eroberten feindlichen Lager und in Szénta plündex’nd zerstreuten, wurden von den Christen Castell und Sainte- Croix gesammelt und setzten, obwohl viele Soldaten, welche die erbeuteten Pferde einfingen, noch fehlten, die Verfolgung fort. Plötzlich wurde eine mächtige Staubwolke wahrgenommen, die von der anrückenden zweiten türkischen Colonne herrührte. Rasch entschlossen ging Obi’ist Castell mit einigen Escadronen vor, um den neu erscheinenden Gegner zu beschäftigen und die kaiserlichen Truppen in der Flanke zu schützen. Die Feinde, ungefähr 7000 Mann Kern truppen, di-ängteix ihn jedoch zurück und stürzten sich mit der grössten Heftigkeit auf die