Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1886)
Die Eroberung von Ofen und der Feldzug gegen die Türken in Ungarn im Jahre 1686. (Mit eigener Paginirung)
Friedensanträge der Türken. Bald nach der Eroberung von Szegedin sandte der Grossvezir, der den Zorn des Sultans fürchtete und deshalb den Winter in Belgrad zubrachte, seinen Vertrauten Muhammed Aga zu dem FAIL. Caraffa nach Szolnok mit der Anfrage, ob der General geneigt und bevollmächtigt wäre, mit dem Grossvezir in Friedens-Unterhandlungen zu treten? Caraffa verneinte dies2), warf aber die Bemerkung hin, dass die Auslieferung Thököly’s die Grundbedingung für den Friedensschluss bilden müsste.— Suleiman legte dieser Antwort eine weit höhere Bedeutung bei, als sie thatsächlich verdiente und trat mit Hermann von Baden in Correspondenz, dem er das Verlangen der Pforte nach einem Friedens-Congresse, den alle gegen die Türkei verbündeten Staaten beschicken sollten, eröffnete. Der Hofkriegsraths-Präsident antwortete hierauf ablehnend, war jedoch, wie die Dinge damals standen, überhaupt nicht mehr die Persönlichkeit, welche zu der Erledigung von ') Bericht des Obristen Friedrich Magnus Graf zu Castell, ddo. Szegedin, 22. October 1686. •— K. k. Kriegs-Archiv. 2) Bericht Caraffa’s, ddo. Szolnok, 7. November 1686. — Registratur des k. k, Reichs-Kriegsministeriums. Truppen Veterani’s. Diese, obwohl ermüdet und zu der Abwehr eines vehementen Angriffes noch nicht geordnet, hielten dennoch Stand und trieben nach einem langen, heissen Gefechte die Türken zurück, wobei die Dragoner den Weichenden einige mörderische Salven nachschickten. — Obwohl der Feind grosse Verluste erlitten, griff er, unterstützt durch einige Tatarenhaufen, welche sich wieder gesammelt hatten, noch viermal an, wurde aber, „da sowohl der Officier als Gemeine Desperat gefochten ')“, immer wieder geworfen. Erst als 2000 Türken auf dem Schlachtfelde lagen, entschloss sich der Rest zur Flucht und liess 20 Gefangene, 20 Geschütze, 24 Fahnen, 5 grosse Janitscharen-Trommeln, 2Paar kleine Pauken, 3000 Pferde, 500 Kameele, 400 Maulthiere und mehr als 100 mit Büffeln bespannte Wagen in den Händen Veterani’s, der an einem Tage zwei feindliche Abtheilungen, deren jede ihm in der Zahl der Streiter überlegen war, geschlagen hatte. Die Sieger kehrten mit ihrer reichen Beute nach Szegedin zurück, wo Wallis das Te Deum und eine ostentative „Feier wegen der erhaltenen, herrlichen Victoria“ abhalten liess. — Die türkische Besatzung, ihrer Hoffnung auf einen Entsatz beraubt, knüpfte mit den Belagerern Unterhandlungen an und capitulirte schon am 23. October gegen freien Abzug nach Temesvár. Szegedin erhielt das Regiment Fürstenberg zur vorläufigen Besatzung und Wallis liess den an mehreren Stellen stark beschädigten Platz sogleich wieder in haltbaren Stand setzen.