Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1886)
Die Eroberung von Ofen und der Feldzug gegen die Türken in Ungarn im Jahre 1686. (Mit eigener Paginirung)
30. August, V n< 31. August. heit nach — unthätig stehen. Gleichzeitig versuchten türkische Soldaten die Schiffbrücken der Belagerer schwimmend zu erreichen und zu beschädigen, Hessen aber, als sie dieselben besetzt und mit kleinen Feldstücken armirt fanden, von ihrem Vorhaben schleunig wieder ab. — Die Besatzung von Ofen verblieb während des Gefechtes der Entsatztruppen nicht unthätig. Sie fiel mit grosser Heftigkeit gegen die Wasserstadt aus, wurde aber von den darin befindlichen Heiducken so nachdrücklich empfangen, dass sie in kurzem Kampfe 30 bis 40 Mann einbüsste und zurückgehen musste. -— Die wenigen Gefangenen, welche von den Belagerern eingebracht worden waren, sagten aus, dass der Succurs aus 3000 Mann bestanden habe, welchen andere 3000 zur Unterstützung nachgefolgt seien. Auch erzählten sie, die Absicht des Grossvezirs sei dahin gerichtet gewesen, die Verbündeten über Alt- Ofen von der Wasserseite, von den Bergen, wo vor vierzehn Tagen der General Dünnewald ein türkisches Corps aufgerieben hatte, und von der Seite des bayerischen Lagers anzugreifen. — Der Herzog von Lothringen und der Churfürst von Bayern hielten sich hinter den Linien durch geraume Zeit kampfbereit, da beide nicht annehmen konnten, dass sich die Entsatzarmee ganz ohne Zweck in Schlachtordnung gestellt haben könnte. Suleiman verblieb auch noch in dieser, als sein Versuch, Verstärkungen in die Festung zu werfen, schon längst abgewiesen worden war. Erst um 1 LThr Mittags, als der GFWM. Piccolomini mit einem Theile des Scherffenberg’schen Corps, bestehend aus den Regimentern Piccolomini, Sainte-Croix, Sachsen-Lauenburg, Tetwin und Magni, im Angesichte des Grossvezirs über die Schiffbrücke defi- lirte, entzog sich dieser mit seiner Armee den Blicken der Verbündeten. Wegen der Nähe der feindlichen Hauptarmee verblieb auch während der Nacht auf den 30. August die Infanterie in Bereitschaft und die Reiterei neben ihren gesattelten Pferden. — Im Laufe des Vormittags liess der Herzog von Lothringen die gestern erbeuteten 20 Feldzeichen auf der Bresche aufpflanzen, ohne sich aber in ein Parlamen- tiren mit der Besatzung einzulassen. Um Mittag rückte der FML. Graf Scherffenberg mit dem Reste seines Corps (Reiter-Regimenter Götz und Veterani; Infanterie-Regimenter Scherffenberg, Spinola und Serini, dann die National-Truppen des Grafen Csdky) in das kaiserliche Lager ein. Das Regiment Serini wurde dem Corps des Churfürsten von Bayern zugetheilt, die anderen, an beiden Tagen angekommenen Truppen lagerten auf den der Wasserstadt gegenüber befindlichen Höhen bis an die Bäder und die Donau. — Aus Wien langten sechs ganz neue Kartaunen bei der Armee ein. — Von den Truppen des Grossvezirs wurden nur einige Abtheilungen, darunter auch Artillerie, wahrgenommen, welche im Marsche gegen Zsambék begriffen waren. Am 31. August hatten die Belagerer zwar von der feindlichen Entsatzarmee Ruhe, dafür war aber die Garnison desto thätiger und