Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1886)

Die Eroberung von Ofen und der Feldzug gegen die Türken in Ungarn im Jahre 1686. (Mit eigener Paginirung)

’) Vergl. Beilage I. 1. September. warf fast ohne Unterbrechung Bomben und Steine in die Approchen. — Der Train des Scherffenberg’schen Corps traf noch während der Nacht ein und hinter demselben folgten zwei starke Compagnien National­truppen.— Vormittags wurde ein grosser Kriegsrath gehalten, dem theil- weise auch der, in ausserordentlicher Mission zur Armee entsendete Kanzler Graf Strattmann beiwohnte. Die Generale hatten zunächst darüber zu berathen, ob der Armee des Grossvezirs entgegengerückt und diese zu einer Schlacht gezwungen, oder oh die Belagerung in der bisherigen Weise fortgesetzt werden solle. Obwohl mehrere der Anwesenden die Besorgniss äusserten, der Grossvezir werde entweder Gran angreifen oder in die ganz schutzlosen Erhländer einbrechen, stimmte dennoch die Majorität für die Fortsetzung der Belagerung, deren Ende sich ohnehin in wenigen Tagen mit Bestimmtheit er­warten Hess. Der Herzog von Lothringen setzte nun den Generalsturm für den 2. September fest, bis zu welchem Tage die unter dem Obristen Bogislaw von Rahden anmarschirenden Schweden eingetroffen sein mussten und ertheilte für die Attaké die nothwendigen Dispositionen, welche aber bis zur Stunde der Ausführung Geheimniss zu bleiben hatten *). — Gegen Abend zeigten sich wieder einige feindliche Abthei­lungen auf den Höhen, wurden jedoch von den Belagerern kaum mehr beachtet. Der Kriegsrath der Generale fand am 1. September eine Fort Setzung, und zwar hauptsächlich deshalb, um die zwischen dem Her­zoge von Lothringen und dem Churfürsten von Bayern wegen des Generalsturmes noch bestehenden Meinungsdifferenzen zu beheben. Kanzler Strattmann, dem die Rolle des Vermittlers zugefallen war, entwickelte so viel Tact und Gewandtheit, dass es ihm gelang, in allen Hauptsachen vollständige Übereinstimmung zwischen den beiden Oberbefehlshabern herbeizuführen. Während der Nacht auf den 1. September trat die Belagerungs­armee wieder unter die Waffen, da im bayerischen Lager aus unbe­kannten Ursachen blinder Alarm entstanden war, der von den übrigen Truppen abgenommen wurde. — Der Tag verging unter weiteren Vor­bereitungen für den Generalsturm. Die nach dem Graben führenden Sappen wurden noch mehr erweitert und die Trümmer des eroberten grossen Eckrundells mit stiegenartigen Zugängen versehen. Durch die Batterie in der Redoute der Communications-Linie wurde mit dem besten Erfolge daran gearbeitet, jene türkischen Geschütze zu demon- tiren, die den Angreifern bei dem Sturme auf die neue Bi’esche ausser­halb des Eckrundells beschwerlich werden konnten. — Ein ungarischer

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