Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1886)
Die Eroberung von Ofen und der Feldzug gegen die Türken in Ungarn im Jahre 1686. (Mit eigener Paginirung)
26. An gust. 2 7. August. den Mangel an Grünfutter gelitten und die Pferde wurden nur mit Hafer, der in Folge der Umsicht des General-Commissärs Kabatta allerdings immer reichlich vorhanden war, nothdürftig erhalten. — Mit Anbruch der Nacht erneuerte die Besatzung ihre Anstrengungen zur Vertreibung der Bayern aus den von diesen jüngst besetzten Posten. Zwei Minen, welche die Türken zündeten, brachten zwar nur ihnen selbst Schaden; als aber die Garnison aus dem Zwinger rechter Hand ausfiel und mit Granaten, Pulversäcken und anderem Brandzeug ein Flammenmeer um sich verbreitete, sahen sich die Belagerer gezwungen, ihren Posten an den Palissaden zu räumen. Nach dem Erlöschen des entstandenen Brandes occupirten die Bayern ihr Logement wieder und benützten den Rest der Nacht dazu, sich darin so gut als möglich zu verbauen. Der Kampf hatte den Belagerern 30 Mann, darunter den Obristwachtmeister Stüber, gekostet. In der nächsten Nacht (auf den 26. August) begannen die Belagerer den Bau einer Brücke von dem eroberten Eckrundeil nach dem feindlichen Logement. Die Batterie in der Redoute der Com- munications-Linie wurde mit weiteren zwei Geschützen armirt und auf dem Pester Ufer erbaute der Franziskaner Pater Rafael eine Mörser-Batterie, durch welche er die verankerten türkischen Schiffe zu zerstören und die Festung von der Wasserseite aus zu beunruhigen beabsichtigte. — Mit Tagesanbruch erfolgte bei den Brandenburgern ein falscher Alarm, der die ganze Belagerungs-Armee unter die Waffen rief. — Da durch Überläufer und Kundschafter die Nachricht einging, der Grossvezir wolle nochmals versuchen, Succurs in die Festung zu werfen und gleichzeitig die verbündete Armee an mehreren Stellen angreifen, wurden die Vorsichtsmassregeln verschärft und angeordnet, dass von Gran bis Ofen alle Kähne und Fahrzeuge aus der Donau entfernt werden müssten. Die im Bau befindliche Laufbrücke wurde in der Nacht auf den 27. August so hoch mit Schutt und Erde bedeckt, dass sie den Verbrennungsversuchen des Feindes mit Erfolg widerstehen konnte. Vor derselben und nur mehr sechs Schritte von den Palissaden des Feindes entfernt, befand sich ein Logement, das vorläufig nur 10 Füsiliere besetzt hielten, welches aber derart erweitert werden sollte, dass daraus 40 Mann in Front stürmen könnten.— Da mehrere Überläufer erzählten, dass der Grossvezir eine Verstärkung von 10.000 Mann erhalten habe und ein Angriff desselben unmittelbar bevorstehend sei, wurde vor der gegen das Thal St. Paul gewendeten Contravallations-Linie noch ein zweiter Graben ausgehoben. — Pater Rafael begann Bäume, die mit Ketten und Eisenringen zusammengekoppelt waren, in der Donau zu verankern, durch welche das Durchschwimmen des Stromes verhindert und zugleich die Schiffbrücke gegen Brander oder steinbeladene Flösse versichert werden sollte. —