Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1886)
Die Eroberung von Ofen und der Feldzug gegen die Türken in Ungarn im Jahre 1686. (Mit eigener Paginirung)
28. August. 24). August. Nachmittags erschienen ungefähr 2000 Spahis auf den, dem bayerischen Lager gegenüber befindlichen Höhen, verblieben dort durch mehrere Stunden und marschirten dann nach links (gegen Bia) ab. Da die Nacht bereits im Anbrechen war, verzichteten die Belagerer darauf, die Marschrichtung des Gegners durch Cavallerie aufklären zu lassen. — General Scherffenberg wurde abermals angewiesen, seine Vorrückung zu beschleunigen und sich während derselben sorgfältig durch die Reiterei zu decken. —- Die Bayern errichteten auf dem rechten Flügel ihrer Attaké ein neues, vorgeschobenes Logement, von welchem aus den Türken der andere Schlosszwinger entrissen werden sollte. Gleichzeitig legten ihre Belagerungs-Batterien ansehnliche Mauerstücke des noch im Besitze des Feindes befindlichen Schlosstheiles nieder. — Da nach Aussage eines Überläufers der Grossvezir auf dem rechten Flügel der bayerischen Approchen, wo das Donau-Ufer überaus flach und die Wasserhöhe eine geringe war, in die Festung durchbrechen wollte, wurden sogleich Wagen mit Steinen belastet und in die Donau geschoben und eine aus mehreren Escadronen Reiterei bestehende Bereitschaft zur Bewachung dieser Stelle commandirt. Während der Nacht vom 27. auf den 28. August stand die Belagerungs-Armee abermals in Gefechtsbereitschaft hinter der Contra- vallations-Linie. Vom Feinde Hessen sich aber erst gegen Morgen 3000 bis 4000 Reiter erblicken, welche zwar mit einem Angriffe auf das bayerische Lager demonstrirten, Abends jedoch, ohne etwas unternommen zu haben, in der Richtung von Zsambék abzogen. — Um den Marsch der Infanterie des Scherfl'enberg’schen Corps zu beschleunigen, sandte der Herzog von Lothringen derselben 500 Wagen entgegen. — Auf der Schlossseite gelang es den Türken, das neue Logement dér Belagerer mit Pechkränzen und anderem Brandzeuge vollständig zu zerstören. Gegen Morgen stürzte der vom Feinde unaufhörlich beschossene Schlossthurm zusammen, ohne dass den Belagerern, die ihn rechtzeitig geräumt hatten, dadurch ein Verlust zugefügt wurde. Siegreiche Zurückweisung der feindlichen Verstärkungstruppen am 29. August 168ö. Am frühen Morgen des 29. August fand abermals ein tollkühner Durchbruchsversuch der Feinde statt.— Die gegen Alt-Ofen vorgeschobene Wache floh in grosser Unordnung gegen die Wasserstadt und hinter den Flüchtlingen, ja sogar theilweise schon mit diesen vermischt, jagten ungefähr 3000 Spahis und berittene Janitscharen gegen das Donau-Rundell der Ringmauer. Hier empfing sie der Obristlieutenant Baron d’Asti mit einem so lebhaften und wohlgezielten Feuer seiner deutschen und ungarischen Truppen, dass die Feinde abschwenkten und sich gegen die, durch Palissaden gesperrte Bresche stürzten, wo