Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1886)

Die Eroberung von Ofen und der Feldzug gegen die Türken in Ungarn im Jahre 1686. (Mit eigener Paginirung)

24. August. 25. August. Während des Tages fielen die Türken auf der Südseite in der Ab­sicht aus, den Belagerern einiges Schlachtvieh wegzutreiben. Der Obristlieutenant Ploetz des sächsischen Regiments Trauttmansdorff eilte den Feinden entgegen, wurde aber von diesen mit zwei Schüssen getödtet. Am 24. August zeigten sich gegen 10 Uhr Morgens mehrere hundert Mann der türkischen Entsatzarmee auf den Höhen, weshalb die Belagerungs-Truppen in ihre Stellungen rückten, aber, da der Feind weiter nichts unternahm, bald wieder zurückgezogen wurden. — Der Herzog von Lothringen liess an der Füllung des Grabens und der Vollendung der begonnenen Sternschanze arbeiten und ausserdem noch eine neue, für vier Geschütze bestimmte Batterie ausstecken, welche die vom Feinde erbauten Abschnitte in der Flanke fassen sollte. Da ein Durchbrechen der feindlichen Entsatzarmee auf der Wasserseite zu vermuthen stand, liess der kaiserliche Oberbefehls­haber das an der Donau befindliche Rundeil mit 400 Mann unter dem Obristwachtmeister Bertramweiler des Regimentes Souches und mit einer gleichen Anzahl Ungarn besetzen. Das mittlere Thor der unteren Stadt erhielt ebenfalls eine Besatzung von 400 Mann und der Platz am Ufer, wo gewöhnlich fünf Czaiken vor Anker lagen, wurde mit Palissaden geschützt. — Während des ganzen Tages arbeitete das Geschütz der Belagerer mit der grössten Heftigkeit. -— Im Laufe der Nacht hatten die Bayern ihre neuen Logements im Schlosse durch eine Communications-Linie verbunden, in welcher sie sich gegen zwei heftige Angriffe, welche die Besatzung am Morgen unternahm, auch behaupteten. In der Nacht vom 24. auf den 25. August hielt die Infanterie abermals die Contravallations-Linie besetzt, vor welcher wohlgenährte Feuer brannten, während die Reiterei neben ihren gesattelten Pferden zum Aufsitzen bereit war. Ausserdem waren noch die Wachen im Thale St. Paul verdoppelt und entsprechende Abtheilungen ungarischer National-Truppen zur Besetzung der eben vollendeten Sternschanze commandirt worden. Als es Tag wurde, ohne dass der Feind ein Lebenszeichen von sich gegeben hatte, ritten mehrere Streifparteien aus, um mit der Armee des Grossvezirs Fühlung zu nehmen. Auch sandte der Herzog von Lothringen an den FML. Scherffenberg, der vom Hofkriegsrathe aus Siebenbürgen abberufen und mit seinem Corps zur Hauptarmee gewiesen worden war, den Befehl, seinen Marsch so viel als nur möglich zu beschleunigen. Der Generalissimus bedurfte der Infanterie auf das Dringendste, da von jener der Be­lagerungs-Armee ein grosser Theil durch Krankheit oder Verwundung undienstbar geworden war und die Stunde der Entscheidung schon in den nächsten Tagen eintreten musste. Übrigens hatte auch die Reiterei durch die Gefechte und Strapazen, mehr aber noch durch 86 Eie Eroberung von Ofen und der Feldzug gegen die Türken in Ungarn im Jahre 1680.

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