Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1886)
Die Eroberung von Ofen und der Feldzug gegen die Türken in Ungarn im Jahre 1686. (Mit eigener Paginirung)
22. August. Türken schaarenweise herbeiliefen und durch die Geschütze und die mit Steinen geladenen Mörser der Belagerer beträchtlichen Schaden litten. Die Hauptereignisse dieses Tages (22. August) spielten sich jedoch auf der Schlossseite ab. — Nach den schon gestern ertheilten Dispositionen hatten durch die Bresche in der Zwingermauer ein Feldwebel mit 6 Grenadieren und ein Lieutenant mit 20 Füsilieren vorzubrechen, den halb eingestürzten Schlossthurm zu ersteigen und sich auf diesem und den daran stossenden Dächern festzusetzen. Diese 20 Füsiliere, durchaus bewährte Schützen, mussten ihr Feuer gegen die noch vom Feinde besetzten Fenster und hinter die von ihm erbauten doppelten Abschnitte richten. Hierauf hatten 70 Arbeiter, die zur Einrichtung des Logements bestimmt waren und hinter diesen wieder 00 Füsiliere zu folgen. Eine andere, von einem Hauptmanne geführte Abtheilung sollte sich gleichzeitig der Mauer bemächtigen, welche den mittleren Theil des Schlosses mit dem Zwinger verband. Über alle die bisher erwähnten Abtheilungen hatte ein Obristwachtmeister das Commando zu führen. Den Angriff auf der Rechten sollte ein Obristlieutenant befehligen, der mit 10 Zimmerleuten und 30 Grenadieren an die Palissaden vorzueilen und dort Posten zu fassen hatte; ihm waren ein Hauptmann mit 50 ausgesuchten Schützen, 50 mit Brettern und Sandsäcken beladene Arbeiter und endlich 2 Hauptleute mit 160 Füsilieren zur Unterstützung beigegeben. — Gegen 6 Uhr Morgens verdoppelten die Bayern ihr Geschützfeuer und ihre Würfe gegen den rückwärtigen, vom Feinde stark besetzten Theil des Schlosses und liefen darauf zum Sturme an. Die zur Linken vordringenden Abtheilungen des kaiserlichen Regiments Baden bemächtigten sich nach einem heftigen, jedoch kurzen Kampfe sowohl der Verbindungsmauer, als auch des Thurmes und der benachbarten Dächer und behaupteten sich auf dem luftigen Posten, von welchem aus sie den Türken mit Handgranaten und Steinen mehr Schaden zufügten, als durch ihre, meist das Ziel verfehlenden Stechschüsse. Zur Rechten stürmten die Bayern unter dem Obristlieutenant Graf Zacco an die Palissaden vor. Sie waren eben daran, sich an diesen festzusetzen, als durch springende, im Schutte vergrabene Bomben und die von den Gegnern geworfenen Pulversäcke die mitgenommenen Granaten sich entzündeten, gegen 40 Grenadiere tödteten oder verwundeten und die Abtheilung zum Rückzuge nöthigten. Die Verluste der Angreifer waren gross. Zweihundert Mann waren todt oder schwer verwundet. Unter den Gefallenen befanden sich der bayerische Obrist Chiltel de la Peyrouse, dem eine türkische Handgranate auf dem Kopfe zersprungen war, und ein Grenadier-Lieutenant. Blessirt waren der Obrist Graf Fürstenberg, der Graf Pötting, Obristwachtmeister im Regimente Beck, der Prinz von Sachsen-Merseburg, Hauptmann im Regimente