Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1886)
Die Eroberung von Ofen und der Feldzug gegen die Türken in Ungarn im Jahre 1686. (Mit eigener Paginirung)
20. August. gewusst hatte, erzählte, dass dieser gestern mit seiner Armee in Bereitschaft gestanden sei, um die Verbündeten anzugreifen, und Succurs in die Festung zu werfen. Als ihm aber von einem anderen Gefangenen vorgespiegelt wurde, dass sein Vorhaben dem Herzoge von Lothringen längst verrathen worden, löste er seine Schlachtordnung wieder auf und begnügte sich damit, im Laufe des 19. August sein früheres Lager bei Promontor zu beziehen. Durchbruch türkischer Verstärkungen nach derFestung Ofen am 20. August 1686. In der nächsten Nacht (vom 19. auf den 20. August) ritten zwei starke Abtheilungen Huszárén auf Recognoscirung aus, kehrten aber gegen Tagesanbruch wieder zurück, ohne etwas Wichtiges entdeckt zu haben. Sie waren kaum im Lager angelangt, als ungefähr 2000 beritten gemachte Janitscharen, die Vedetten und Feldwachen vor sich her treibend, das Thal von St. Paul herabjagten. Das Alarm- Signal konnte nicht mehr rechtzeitig gegeben werden und ehe die Reiterei im Sattel sass, hatte der Feind das Lager der Brandenburger, aus welchem er übrigens mit einem wohlgezielten Musketenfeuer begrüsst wurde, passirt. Die auseinander gesprengten Wachpikets sammelten sich aber rasch wieder, legten sich dem Feinde in den Weg und wurden von dem Regimente Lodron, das erst gestern seinen Lagerplatz verändert hatte, so nachdrücklich unterstützt, dass der grössere Theil der Janitscharen zum Stehen gebracht wurde. Der Rest war aber bereits an die Contravallations-Linie gelangt, fand darin eine Redoute unbesetzt, überritt dieselbe und eilte mit verhängtem Zügel theils dem vom Feinde errichteten Retranchement, theils dem Stuhlweissenburger Thore zu. Feldmarschall Caprara, der unmittelbar nach dem entstandenen Alarme drei Escadronen des Regiments Heissler an sich gezogen hatte, kam mit diesen herangesprengt, attakirte die Janitscharen in der Flanke und wurde nach wenigen Augenblicken von dem GFWM. Heissler, der mit 100 Reitern einhieb, secundirt. Letzterer trieb die Türken, deren 120 niedergemacht wurden, bis an das Stuhlweissenburger Thor, vor welchem sich noch der Graf Königsmarck, Obristlieutenant im bayerischen Regimente Bielke, mit der Reiterwache dem feindlichen Succurse entgegenwarf. Obwohl von der verbündeten Reiterei von allen Seiten wiithend angegriffen, schlugen sich dennoch gegen 300 der tapferen Janitscharen, allerdings meist verwundet, in die Festung durch; der Rest war entweder gefallen (bei 400 Mann), oder in die Berge getrieben worden. — Während dieser Vorgänge war der Grossvezir vor der bayerischen Contravallations-Linie erschienen, hatte sich aber, nachdem er die Verbündeten auch auf dieser Seite alarmirt, bald wieder zurückgezogen, worauf die Belagerer, die