Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1886)
Die Eroberung von Ofen und der Feldzug gegen die Türken in Ungarn im Jahre 1686. (Mit eigener Paginirung)
15. August. Armee des Grossvezirs zurück, so dass eine Strecke von mehr als zwei Wegstunden mit Leichnamen erschlagener Türken bedeckt war. Ein Sammeln und Standhalten war den Geschlagenen nicht mehr möglich, so dass sich die Verfolgung immer mehr zur thatsächlichen Hetze gestaltete, wenn es auch zuweilen geschah, dass unter den Janitscharen „welche gefunden worden, so sich wider 7 und 8 der unsern mit dem blossen Sabel gewehret“, bis man sie endlich „nieder- machete“. In diesem eigenthtimlichen Kampfe verloren die Sieger kaum 50 Mann an Verwundeten und Todten, unter den letzteren aber den Grafen Girolamo Lodron, Obristlieutenant im Regimente Lodron, und den Freiherrn von der Leyen, Obristwachtmeister im Regimente Caprara. Die Türken erlitten einen Verlust von mindestens 2000 Todten (darunter 2 Pascha), dann 500 Gefangenen, 8 Geschützen und mehr als 40 Feldzeichen. — Auf diesen unerwartet glücklichen Erfolg hin, zog der Herzog von Lothringen die Bayern aus ihren Linien hervor und setzte die ganze Armee zum Angriffe in Marsch. Allein der Grossvezir wich der Attaké aus und retirirte nach seinen Höhen. Erst als das Dünnewald’sche Corps im Eifer der Verfolgung etwas zu weit vorgestossen hatte, machte der feindliche linke Flügel Halt, ging zum Gegenangriffe über und warf die Huszárén auf die deutsche Reiterei zurück. Es kam uun zu einem ziemlich lebhaften Gefechte, das aber von kurzer Dauer war. Lothringen hatte nämlich seine trefflich geübte Artillerie Vorgehen lassen und einige von dieser abgegebene Schüsse brachten den linken türkischen Flügel in Unordnung und" zum Weichen. Da inzwischen die Sonne bereits untergegangen war, verzichtete der Generalissimus auf eine Fortsetzung der Verfolgung und kehrte, weil ein nächtlicher Angriff des Feindes auf das Lager der Belagerer keineswegs unwahrscheinlich schien, wieder hinter seine Linien zurück. Als sich die verbündeten Truppen der Festung Ofen näherten, gaben sie ohne Befehl eine Freudensalve ab, „so ihnen nicht kundte abgestellet werden“. Der Grossvezir dagegen begann noch in derselben Nacht sein Lager bei Promontor abzubrechen. Während der vergangenen Nacht hatte die Besatzung von Ofen zweimal versucht, die Bayern aus ihrem Logement im Zwinger zu vertreiben, war aber stets mit Verlust zurückgeschlagen worden. Mit nicht besserem Erfolge wurde bei Tage ein Ausfall gegen die bayerische Reiterwache unternommen. Am 15. August sandte der Herzog einen Officier an den Pascha von Ofen, um diesem abermals die Aufforderung zur Capitulation zu überbringen und mitzutheilen, dass die Entsatzarmee geschlagen worden und auf dem Rückzuge gegen Erd begriffen sei. Der Feind liess jedoch auf den Parlamentär und den ihn begleitenden Tambour Feuer geben und schoss aus Stücken und Kleingewehr heftig nach den