Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1886)
Die Eroberung von Ofen und der Feldzug gegen die Türken in Ungarn im Jahre 1686. (Mit eigener Paginirung)
9. Align st. 10. August. 2000 bis 3000 berittenen Tataren bestehend, drängte die exponirten bayerischen Wachen zurück und schlug sich mit einer, von dem Grafen Batthyányi in der Nacht gegen Stuhlweissenburg auf Recogno- scirung ausgesendeten Streifpartei von 150 Mann durch mehr als zwei Stunden herum. Hierauf zogen sich die Feinde wieder zurück und ein Theil der Cavallerie der Belagerer ging wie gewöhnlich auf Fouragirung aus. Die ungarische Recognoscirungs-Abtheilung war in dem ungleichen Kampfe bis auf 30 Mann aufgeriehen worden. — Da von verschiedenen Seiten bestätigt wurde, dass die Armee des Gross- vezirs bei Stuhlweissenburg eingetroffen sei, wurde den Truppen strenge Bereitschaft anbefohlen und in der folgenden Nacht durfte kein Pferd abgesattelt werden. Während dieser Nacht (auf den 9. August) versuchte der durch seine tapfere Vertheidigung von Gran im Jahre 1685 bekannte Obrist Strasser bis zu dem Retranchement, das der Feind dem Eckrundeil gegenüber errichtet hatte, vorzudringen und sich daran festzusetzen. Der Gegner zeigte sich aber wachsam, warf unaufhörlich mit Pechkränzen und steckte sogar sein Logement auf der Fausse-braie in Brand, so dass die Unternehmung bald wieder eingestellt werden musste. — Im Laufe des Tages demonstrate der Feind mehrmals mit Ausfällen (um 9 Uhr Morgens, 2 Uhr Mittags und 7 Uhr Abends), indem er auf der Wasserseite Truppen erscheinen liess, diese aber nach kurzen, bedeutungslosen Scharmützeln wieder zurückzog. — Vormittags fiel eine türkische Bombe unter den am Fusse der Bresche aufgehäuften Vorrath von Handgranaten, wobei mehr als 1000 derselben „angingen“ und im Zerspringen den Obristlieutenant Archinto und 6 Soldaten, jedoch alle nur leicht, verwundeten. — Ungefähr um 9 Uhr Morgens zeigten sich die Truppen des Grossvezirs wieder bei Promontor und rückten, ermuthigt durch ihren gestern errungenen leichten Erfolg, ziemlich weit gegen das Lager der Bayern, die sich kampfbereit hinter ihren Linien hielten, vor. Die Huszárén und Volontärs gingen den Türken vor die Contravallations-Linie entgegen und scharmützelten mit ihnen bis zum Abende. In diesem Gefechte blieben ein Pascha und ziemlich viele Spahis auf dem Platze. Als am 10. August die Nachricht eintraf, dass die Armee des Grossvezirs sich bei Adony befände, war bereits die Contravallations- Linie der Belagerer, obwohl eine Strecke von mehr als drei Wegstunden bedeckend und von Seite der Kaiserlichen erst vor wenigen Tagen begonnen, vollständig beendet. — Während der Herzog von Lothringen hauptsächlich nur seine Minen fördern liess, ging es bei den Bayern ziemlich lebhaft her. Der Churfürst hatte in der Nacht den Versuch machen lassen, seine Truppen im Zwinger zu logiren, stiess aber hiebei auf den hartnäckigsten Widerstand des überaus wachsamen Gegners und musste seine Soldaten, die durch ihre zähe 74 Eie Eroberung von Ofen und der Feldzug gegen die Türken in Ungarn im Jahre 1686.