Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1886)
Die Eroberung von Ofen und der Feldzug gegen die Türken in Ungarn im Jahre 1686. (Mit eigener Paginirung)
Zweiter Generalsturm der Belagerer am 3. August 1G86. 71 verschieben, als ein General-Adjutant des Churfürsten erschien und meldete, dass die Bayern angegriffen hatten, in das Schloss einge- drungen wären und sich desselben zu bemeistern hofften. Um die Attaké der Bayern wirksam zu unterstützen, Hess nun auch der Generalissimus seine beiden Sturm-Colonnen vorgehen. Die zur Rechten sollte zwischen dem Eckrundell und der auf der Courtine errichteten Batterie eindringen und bestand aus 50 Grenadieren unter einem Hauptmann, denen 20 Mann, die Granaten zutrugen, nachfolgten. Nach diesen kamen 50 Füsiliere unter einem Hauptmann, die mit dem Feuergewehre und andere 50, wieder unter einem Hauptmann, die mit Sprungstöcken, Morgensternen und Sensen gerüstet waren. Als Unterstützung folgten 50 Ungarn und diesen 100 Schanzzeugträger, die ebenfalls ein Hauptmann befehligte. In gleicher Ordnung ging die linke Colonne vor, zu welcher die Brandenburger die Hälfte der Soldaten beigestellt hatten. Eine dritte Attaké sollte von den National- Truppen durch das mittlere Rundell unternommen werden *). Als Hauptreserve für die rechte und linke Sturm-Colonne standen ebenso viele Commandirte in Bereitschaft, als Soldaten zum Anlaufen bestimmt worden waren. Die Truppen drangen mit ihrer herkömmlichen Tapferkeit über die theilweise eingeworfene Brustwehr und durch den Graben gegen die zweite Bresche vor, fanden diese aber ausserordentlich steil und von den Feinden auf das Stärkste verbaut. Auch hatten die Türken von der Annäherung der Entsatzarmee Kenntniss erhalten, fochten deshalb mit frischer Ermuthigung und leisteten einen zäheren Widerstand als jemals. Obwohl der Obristwachtmeister Bischofshausen mit seinen Leuten bis zu den Palissaden vordrang und dort geraume Zeit heroisch aushielt, blieb doch die Mehrzahl der Angreifer im Graben zurück und erlitt darin durch die Geschosse und Steine des Feindes ausserordentliche Verluste. Der Prinz von Pfalz- Neuburg, der in den Approchen den Oberbefehl führte, erkannte die Erfolglosigkeit des Unternehmens und zog die Soldaten zurück, brachte aber kaum die Hälfte derselben unverletzt wieder hinter die Laufgräben. Die Kaiserlichen hatten in dem langen und überaus hartnäckigen Kampfe an Todten und Verwundeten 200 Mann verloren. Unter den letzteren befand sich der tödtlich getroffene Obristlieutenant Leopold Graf Herberstein vom Regimente Souches, der Obristwachtmeister Bischofshausen vom Regimente Diependael und je ein Hauptmann der Regimenter Starhemberg und Mansfeld. — Der Churfürst hatte die von der Mine verursachte Detonation für das Signal zum Sturme gehalten und seine Leute hierauf am Zwinger Posto fassen lassen. Die Soldaten liefen von hier aus mit der grössten Bravour in das Schloss vor, 4) Im Laufe des Tages war der Graf Batthyányi mit ungefähr 2000 Ungarn in das kaiserliche Lager eingerückt.