Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1886)

Die Eroberung von Ofen und der Feldzug gegen die Türken in Ungarn im Jahre 1686. (Mit eigener Paginirung)

72 Eie Eroberung von Ofen und der Feldzug gegen die Türken in Ungarn im Jahre 1686. •i. August. 5. August. fanden aber darin labyrinthartig verschlungene Gänge und Räume, in denen sie keinen Ausgang, dafür aber stark verbaute, zahlreiche Ab­schnitte vorfanden und auf eine verzweifelte Gegenwehr des Feindes stiessen. Der zweiten bayerischen Colonne (zur Rechten) ging es nicht besser, indem auch sie weder einen Posto fassen, noch sich irgendwo einnisten konnte. Der Churfürst, der ungefähr 40 Mann verloren hatte, Hess das Gefecht, ohne Rücksicht auf die an der Nord Westseite der Festung stürmenden Kaiserlichen, bald wieder abbrechen und zog seine Soldaten in ziemlich guter Ordnung zurück. Die bayerischen Hauptleute Ponterico und Prince, dann ein sächsischer Hauptmann waren gefallen. Verwundungen hatten der piemontesische Graf Operti, ein Obristlieutenant (vom Regimente Fürstenberg), ein Obristwacht­meister und ein Lieutenant erlitten. Markgraf Ludwig von Baden war durch eine Musketenkugel „in der Kreuzgegend“ leicht gestreift und der Prinz Eugen von Savoyen von einem Pfeile in die Hand getroffen worden. Am 4. August wurden die kaiserlichen Belagerungs-Batterien mit mehr Geschützen armirt und grosse Mengen von Steinen in die Festung geworfen. Da jedoch der Feind seine Artillerie trefflich zu gebrauchen wusste und besonders mit zwei neu aufgeführten Kanonen die Batterie der Kaiserlichen auf der Bresche schwer beschädigte, ertheilte der Herzog von Lothringen den Befehl, dass in der nächsten Nacht mit dem Baue einer ganz neuen Batterie, die in erster Linie nur die beiden verderblich wirkenden türkischen Geschütze zu demontiren hätte, begonnen werde. Die Füllung des Grabens wurde fortgesetzt und mit einer dritten Sappe in denselben vorgegangen. Die Brandenburger hatten sich in der letzten Nacht nächst dem Wiener Thore eines halb zertrümmerten Rundells, das sie vom Feinde verlassen gefunden hatten, bemächtigt. Als die Türken bei Tagesanbruch dieses Object wieder in Besitz nehmen wollten, wurden sie kräftig abgewiesen und erlitten nicht unbedeutende Verluste. —Das neue Lager der Kaiserlichen wurde vollends ausgesteckt und mit grossem Eifer die Herstellung der Contravallations-Linie begonnen. — Noch in der Nacht auf den 5. August gelangte die neue, nur für zwei Stücke bestimmte Batterie zur Vollendung. Sie eröffnetc mit dem Morgengrauen das Feuer und brachte mit wenigen Schüssen die beiden feindlichen Kanonen zum Schweigen. — Der Feind schoss andiesemTage äusserst lebhaft undfügte den Belagerern vielen Schaden zu. Eine türkische Bombe fiel in die auf der Courtine erbaute Batterie und entzündete darin eine Pulver­tonne, als eben der Herzog von Lothringen sich zur Besichtigung des Grabens eingefunden hatte. Glücklicherweise verletzte den Ge­neralissimus nur ein weggeschleuderter Stein leicht am Fusse, während in seiner unmittelbaren Nähe 30 Soldaten vom Regimente Öttingen getödtet oder schwer verwundet wurden. Eine zweite in diese Batterie

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