Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1886)
Die Eroberung von Ofen und der Feldzug gegen die Türken in Ungarn im Jahre 1686. (Mit eigener Paginirung)
29. Juli. 30. Juli. werde. Gleichzeitig wurden Zugänge zu der eroberten Bresche her- srestellt, um der Mannschaft die Communication mit derselben zu erleichtern und Geschütze dahin bringen zu können. — Da der Stand an Dienstbaren theils durch erlittene Verluste, theils und hauptsächlich durch Ruhr, bösartige Fieber und andere Krankheiten bedeutend abgenommen hatte und ausserdem die Nachricht eingetroffen war, dass die Armee des Grossvezirs bei Eszék angelangt sei, erhielt der GFWM. Heissler den Befehl, mit dem in Szolnok stehenden Regimente La Verne den Marsch zu der Belagerungs-Armee vor Ofen anzutreten. Ebenso erging an die noch bei Stuhlweissenburg befindlichen Cavallerie-Regimenter die Weisung, sich dem bayerischen Lager am Südfusse des Blocksberges zu nähern. — Die Bayern verstärkten und erweiterten ihr Logement auf dem Rundeil und begannen den Bau einer Breschbatterie, welche die Zwingermauer in Trümmer legen und das Schloss über den Köpfen der Vertheidiger niederwerfen sollte. Am frühen Morgen des 29. Juli sprengten die Kaiserlichen ihre Minen. Die erste warf nur Erde in die Festung und that keinen Schaden, während die zweite nach rückwärts schlug und mehr als 80, meist brandenburgische Soldaten tödtete oder verwundete. An diesem Unglücke trug der GFWM. Nigrelli die Schuld, welcher, an diesem Tage mit dem Commando in den Tranchéen betraut, in unbegreiflicher Gleichgültigkeit weder die eigenen vorgeschobenen Posten eingezogen, noch die benachbarten Brandenburger von der Sprengung verständigt hatte. Die Türken, in der Meinung, die Belagerer würden nun stürmen, eilten zur Vertheidigung herbei und drängten sich auf die Mauer, als eben die dritte Mine aufflog. Diese hatte eine entsprechende Wirkung; sie warf einige Dutzend Feinde und zwei Geschütze in die Luft, füllte einen Theil des Grabens aus und erzeugte in der zweiten Mauer eine 10 Schritt breite Bresche. — In der folgenden Nacht wurde auf der eroberten Bresche eine Batterie von 3 Kanonen und 4 „stehenden“ Mörsern vollendet. Die Türken dagegen arbeiteten mit ihrer bekannten Geschicklichkeit und mit grossem Fleisse daran, sich hinter der zweiten und dritten Mauer zu verbauen. — Feldmarschall- Lieutenant Graf Pálffy traf im Laufe des Tages mit seinem Reiter-Corps wieder im kaiserlichen Lager ein. Da die Belagerer nun in die Möglichkeit versetzt waren, den Mineur an die dritte Mauer anzuhängen, liess der Generalissimus am 30. Juli Abends den Pascha abermals zur Capitulation auffordern und das betreffende Schreiben durch den General-Adjutanten Lamberg übergeben '). Der Churfürst von Bayern liess durch den Obristwacht*) Dasselbe lautete nach der im Tagebuche des Herzogs von Lothringen befindlichen Übersetzung: „Der Vöstung Ofen Commandanten Abdurrahman Bascha, und ybrige Befelehs- habers: Wir haben Euch Neulich geschriben, und die Vöstung aufgefordert, allein 5*