Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1886)
Die Eroberung von Ofen und der Feldzug gegen die Türken in Ungarn im Jahre 1686. (Mit eigener Paginirung)
50 Die Eroberung von Ofen und der Feldzug gegen die Türken in Ungarn im Jalire 1686. 13. Juli. den Vertbe idigern, die auf allen dominirenden Punkten der Festung Geschütze placirt hatten, überaus heftig gefeuert. Eine türkische Bombe schlug auf das Zündloch eines in der brandenburg’schen Batterie betindlichen Geschützes, als eben das Rohr von dem Obristen Bertram gerichtet wurde; sie entzündete die Ladung und verwundete im Zerspringen sechs Mann, während der Obrist, dem das aufflammende Pulver das Gesiebt verbrannt hatte, geblendet vom Platze getragen wurde. Der Feind schoss nicht allein gegen die Angreifer, sondern auch in das Lager der Commandirten nächst Pest, tödtete darin einige Pferde und nöthigte die Truppen, sich während des Tages ausser Portée zu begeben. — Mit Anbruch der Nacht brannte es in der Festung an zwei Stellen. Erfolgloser Sturm der Kaiserlichen am 13. Juli 1686. Am frühen Morgen des 13. Juli Hessen die Türken eine Mine auffliegen und zeigten sich, in der voraussichtlichen Tendenz, auf die Belagerer auszufallen, mit stärkeren Abtheilungen in der Wasserstadt. Die Mine hatte aber einen, den Feinden ganz unerwarteten Erfolg gehabt und das Mauerwerk des von den Kaiserlichen unterminirten, mittleren Thurmes so erschüttert, dass wenige Kanonenschüsse aus den Batterien der Belagerer genügten, es vollständig in Trümmer zu werfen. Als die Türken die entstandene, ansehnliche Erweiterung der Bresche wahrnahmen, zogen sie ihre Ausfallstruppen in die Festung zurück, während der Herzog von Lothringen, gestützt auf das mit einiger Übereilung abgegebene Gutachten mehrerer Ingenieure, den Entschluss fasste, sich den Besitz der Bresche zu erkämpfen. Den Tag hindurch arbeitete das Geschütz an der Wegräumung der Palis- saden, welche die Vertheidiger immer wieder durch neue zu ersetzen sich bemühten, und Abends 7 Uhr gab das gleichzeitige Abfeuern aller Kanonen den dazu commandirten Truppen das Signal, gegen die Bresche anzulaufen. Graf Guido Starhemberg, Obristlieutenant im Regimente Starhemberg, hatte gegen das Eckrundeil, Graf Auersperg, Obristlieutenant im Regimente Mansfeld, gegen das kleinere Rundell zur Linken, und der Obristwachtmeister Graf Herberstein, comman- dirt vom Regimente Scherffenberg, gegen die Courtine vorzugeben. Obrist Graf Üttingen und Obristwachtmeister von Hompesch vom Regimente Neuburg befehligten die aus 500 Mann bestehende Reserve. Obwohl Graf Herberstein schon beim Her ustreten aus den Laufgräben erschossen wurde, gelangten seine mit Todesverachtung voreilenden Truppen an die Palissaden, fassten daran Posto und behaupteten sich dort, ungeachtet der wüthenden Gegenwehr der Türken. Graf Starhemberg führte seine Grenadiere gegen das Rundell, welches diese Tapferen mühsam erkletterten, aber vor dem überlegenen Feuer des Gegners und dem auf sie niederprasselnden Steinregen in dem Augenblicke