Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1886)
Die Eroberung von Ofen und der Feldzug gegen die Türken in Ungarn im Jahre 1686. (Mit eigener Paginirung)
Erfolgloser Sturm der Kaiserlichen am 13. Juli 1680. 51 wieder räumen mussten, als unter ihren Füssen eine vergrabene Bombe explodirte. Als wenige Augenblicke später eine springende Mine einen Theil der Stürmenden mitriss, suchten die Feinde der Colonno Starhem- berg’s aus der Fausse-braie in die Flanke zu fallen, wurden aber von dem Hauptmann Thavonat des Regiments Soucbes, der sich ihnen mit dem Bajonnett entgegenwarf, zurückgetrieben. Starheruberg gab nun den directen Angriff auf das kaum ersteigbare Rundell auf, wandte sich ebenfalls gegen die Courtine und suchte längs der Palissaden in den Besitz des Thurmes zu gelangen. Obwohl di'e Soldaten die Palissaden mit den Armen umklammerten, fanden s:e an der Verpfählung so wenig Erde, dass für den Fuss kein Halt sich bot und diesen Braven ein Vorwärtsklimmen bis zum Rundelle unmöglich wurde, besonders da ihr heldenmiithiger Führer, gleichzeitig durch eine Kugel in den Fuss, einen Pfeil in die Schulter und mehrere Steinwürfe getroffen, bewusstlos fortgetragen werden musste. Die Colonne zur Linken stiess auf die gleichen Hindernisse. Die Bresche im „hohlen“ Rundell war ebenfalls so steil, dass sie nur von Einzelnen erklettert werden konnte, die von den Vertheidigern wieder herabgestürzt wurden. Da auch Auersperg erkannte, dass unter den vorhandenen Umständen die bewunderungswürdige Tapferkeit seiner Soldaten nur zwecklos die Zahl der Opfer vermehre, eilte er nach dem Beispiele Starhemberg’s ebenfalls gegen die Mitte, brach jedoch, bevor er diese erreichte, schwer verwundet zusammen. Ohne Anführer hielten die Soldaten standhaft an den Palissaden aus und suchten diese aus der Erde zu reissen, -wobei ihnen die Türken mit Beilen und Säbeln auf die Hände hieben. Obwohl es wiederholt den Anschein gewann, als wenn die Kaiserlichen sich zu Meistern der Bresche machen würden, blieb schliesslich doch alle Tapferkeit und Anstrengung vergeblich, da die Palissaden in doppelten Reihen gesetzt und die Zwischenräume mit Steinen und Sandsäcken ausgefüllt waren. Auch als je ein Bataillon Mansfeld und Starhemberg vorgezogen wurden, denen sich der Herzog von Lothringen anschloss, und welche deshalb mit klingendem Spiel und fliegenden Fahnen gegen die Bresche rückten, blieb der Kampf ohne Resultat und steigerte nur die Verluste, da die beiden Bataillone ausser ihren Commandanten (den Hauptleuten Steinbach und Kirchbach) viele Officiere und Soldaten einbüssten. Der Generalissimus liess nun das mörderische Ringen, in welchem sich Soldaten und Freiwillige an Tapferkeit hatten überbieten wollen, abbrechen. Die Kaiserlichen hatten an diesem blutigen Tage an Todten und Verwundeten 39 Officiere (darunter befand sich der General-Adjutant Prinz von Veldenz, der an der Bresche gefallen) und 570 Unterofficiere und Soldaten *), die *) Diese Zahlen sind dem Tagehuche des Herzogs von Lothringen entnommen. Die Aufzeichnungen anderer Augenzeugen geben den Verlust der Kaiserlichen mit 1000, ja sogar mit 1400 Mann an. 4;