Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1886)
Die Eroberung von Ofen und der Feldzug gegen die Türken in Ungarn im Jahre 1686. (Mit eigener Paginirung)
Pie Eroberung- der unteren Stadt am 24. Juni 1686. 39-24. Juni. Zweck, die Angreifer zu ermüden und während der Nacht unter den Waffen zu halten. Mit einbrechender Nacht wurde auf bayerischer Seite durch 2000 Commandirte, über welche der FML. La Verne den Oberbefehl führte, in der Einsenkung zwischen dem Blocks- und Spiess- berg und in der Nähe des ganz ausgetrockneten Teufelsgrabens mit den Approchen gegen das Schloss begonnen. Die Eroberung der unteren Stadt am 24. Juni 1686. Das Feuer der kaiserlichen Batterie wurde auch am nächsten Tage (24. Juni) mit Lebhaftigkeit unterhalten und brachte eine so bedeutende Erweiterung der Bresche hervor, dass um 10 Uhr Abends durch drei Kanonenschüsse das Signal zum Sturme gegeben werden konnte. Dieser erfolgte gleichzeitig gegen die Bresche, in deren Flanke die Feinde bereits ein Epaulement errichtet hatten, und gegen das durch eine Petarde gesprengte „Hahnenthor“ und wurde durch die Czaiken von der Wasserseite her unterstützt. Den Angriff gegen das Thor befehligte der Deutschmeister Prinz Ludwig von Pfalz-Neuburg, unter welchem der GFWM. Diependael und der Major (des Regiments Diependael) Bischofshausen commandirten; jenen gegen die Bresche leiteten FML. Graf Souches, General Thüngen, Obristlieutenant Graf Archinto und der Major (des Regiments Neuburg) Hompesch4). Die Kaiserlichen liefen mit der gewohnten Bravour an, geriethen aber bald in Unordnung, und zwar keineswegs durch die Gegenwehr der Türken, sondern durch den Ungestüm der zahlreichen fürstlichen Volontärs, welche sich als Erste der Bresche bemächtigen wollten, und, da sich der Widerstand der herbeigeeilten 500 bis 600 Türken fast nur auf die Abgabe einer einzigen Salve beschränkte und das Geschütz- und Gewehrfeuer aus der oberen Stadt wenig Schaden anrichtete, thatsächlich auch bemächtigten. Die Kaiserlichen, welche bisher 4 Todte und ungefähr 30 Verwundete (unter diesen befand sich der Ingenieur-Inspector Graf Marsigli) verloren hatten, arbeiteten die ganze Nacht, um sich auf der Bresche zu etabliren und beiderseits derselben ein Logement zu errichten. Ein Gleiches geschah bei dem, ebenfalls ohne besondere Anstrengung in Besitz genommenen Hahnenthore. — Während dieser Vorgänge auf Seite der Kaiserlichen arbeiteten die Bayern mit grosser Emsigkeit an ihren Approchen und an der Herstellung einer für 500 Mann bestimmten Redoute auf dem Spiessberge. *) *) Der Sturm auf die Bresche geschah in folgender Weise: Ein Hauptmann mit 50 Grenadieren bildete die Tete und hatte die Feinde aus ihrem neu errichteten Epaulement zu vertreiben. Als Unterstützung folgte ein Lieutenant mit 50 Musketieren und sodann ein Ingenieur mit 100 Pionnieren, welche letztere bestimmt waren, sich auf der Bresche einzunisten. Hinter den Pionnieren folgte zu deren Schutze ein Hauptmann mit 100 Musketieren und endlich, als Keserve und um einen feindlichen Ausfall abzuweisen, ein Major mit 300 Mann. Richards, Journal etc.