Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1886)
Die Eroberung von Ofen und der Feldzug gegen die Türken in Ungarn im Jahre 1686. (Mit eigener Paginirung)
25. Juni, 26. Juni, 2 7. Juni. 40 Die Eroberung von Ofen und der Feldzug gegen die Türken in Ungarn im Jahre 1686. Den 25. Juni benützten die Kaiserlichen zur Vollendung und Befestigung ihrer beiden Logements, welche bereits für je 100 Mann Raum boten. — Auch auf bayerischer Seite rückte die Arbeit ohne Unterbrechung fort und es gelangte an diesem Tage die Comruunications- linie bis an die südliche Vorstadt zur Vollendung. — Im kaiserlichen Lager lief die Nachricht ein, dass Thököly in Siebenbürgen eine empfindliche Niederlage erlitten und dabei seinen ganzen Train ein- gebüsst habe. Am 26. Juni öffneten die Kaiserlichen ein bisher vermauertes Thor in der Ringmauer der unteren Stadt (rechts von der Bresche) und sicherten sich dasselbe durch ein kleines Logement. — Gegen Abend unternahmen die Türken einen Ausfall gegen das unmittelbar am Strome befindliche Rundell der unteren Stadt, welches die Belagerer besetzt hatten. Hauptmann Chevalier de Rhone vom Regimente Starhemberg leistete ihnen jedoch tapferen Widerstand, in welchem die Prinzen Commercy und Vaudemont, die mit anderen Freiwilligen herbeigeeilt waren, mit ihm wetteiferten. Als endlich die Reserve zur Unterstützung vorging, wurden die Janitscharen, deren mehr als 50 gefallen waren, zurückgetrieben. Der Verlust der Kaiserlichen, die sich über eine Stunde mit den Feinden geschlagen hatten, betrug 10 Mann, unter welchen sich der am Fusse verwundete Hauptmann Burger des Regimentes Starhemberg befand. — In der Nacht wurden aus den, zur Rechten der erstürmten Bresche befindlichen Posten die Tranchéen gegen die obere Stadt, und zwar gegen das Graner Eckrundeil, das kleinere Rundell rechts von demselben und die zwischen beiden befindliche Courtine eröffnet. Diese Arbeit rückte aber bis zum Morgen kaum 50 Schritte weit vor, da der Boden steinig und ausserdem mit zahlreichen Resten uralten und fast unzerstörbaren Mauerwerks durchsetzt war. Gleichzeitig wurde ausserhalb der Umfassungsmauer (in der Nähe des Stadtmeierhofes) und dem grossen Rundell gegenüber mit der Herstellung einer für 12 bis 15 Kanonen und einige Mörser bestimmten Batterie begonnen. Im Laufe des Tages trafen Feldmarschall Graf Caprara und FML. Mercy im Lager ein und der erstere erhielt den Befehl, sofort das Commando über die am Flusse Sárvíz stehende Reiterei zu übernehmen. — Auf Seite des bayerischen Angriffes konnte bei Tagesanbruch beobachtet werden, dass die feindliche Besatzung längs der Schlossmauer einen Graben aushob, welcher, um das Rundell herum, durch ungewöhnlich starke Palissaden fortificirt wurde. Gegen 8 Uhr Morgens fielen die Türken hier gegen die arbeitenden Soldaten aus und tödteten und verwundeten einige derselben, mussten aber bald vor dem lebhaften Geschütz- und Kleingewehrfeuer der Belagerer zurückweichen. Die Angriffsarbeiten der Kaiserlichen machten am 27. Juni, weil dem Feuer des Gegners zu sehr ausgesetzt, nur geringe Fortschritte.—