Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1885)
Die Ernährung und Leistungsfähigkeit der k. k. Truppen im Felde, von der Zeit des 30jährigen Krieges bis zur Gegenwart
von der Zeit des 30jährigen Krieges bis zur Gegenwart. 265 Da nun die Regierung in dem Masse von der Willkür der Lieferanten abhängig war, als sie ausser Stande blieb, denselben die Bezahlung pünktlich zu leisten, weiters weder die gestellten Lieferungsfristen, noch Qualität und Quantität der Artikel eingehalten wurden und endlich die Transportmittel unzureichend waren, so war der Mangel hei der Armee häufig ein sehr empfindlicher. War schon das Lieferungswesen sehr im Argen, so sah es öfters mit der Abgabe der Vorräthe aus den Magazinen an die Truppen noch schlimmer aus. Markgraf Ludwig von Baden war auf seinem Zuge nach Serbien 1689 durch die Verhältnisse gezwungen, zum ersten Male in grösseren Massen die Proviant-Vorräthe auf Fuhrwerken der Armee an die Morawa nachführen zu lassen. Doch die Communicationen — es war im Monate August -— waren so schlecht, dass die Proviant- Colonne in „sechs Tagen kaum drei bis vier Stunden Weges“ zurückgelegt hatte. Überdies machte der Oberst-Feld-Proviant-Administrator Vorster die Anzeige, „dass er sich in seiner Rechnung verstossen und anstatt eines zwölftägigen vertröst- und versicherten Vorrathes kaum auf sechs, vielleicht nicht auf fünf Tage Mehl auf denen Wagen habe; dass hei Aufbruch der Armee nit genug vorhanden gewesen, sondern über 50 Wagen, welche nit zu laden gehabt, leerer mitgegangen, etwas mit dem Regen verdorben, und theils von dem zurückgebliebenen Convoy verzehrt wäre. Wie mich dieses unverhoffte Incidenz,“ berichtet der Markgraf'), „bevoraus bei einem schon zu sagen in der Hand gehabten Spiel, wie dieses war, alterirt habe, kann Ew. kais. Majestät nicht genugsam beschreiben, um so viel mehr, da ich stets sogar, vor das Allergeringste gesagt, obbemeldeten Administrator über fünfzig Mal im Beisein der Generalität und Officiere deshalb befragt, und Er, dass auf die 24 Tag der Vorrath wirklich vorhanden sei, mich jedesmal versichert und vertröstet hat“. Im selben Jahre motivirt der Markgraf seine weitere Offensive gegen Nis 2). „Ich bin so übel beschaffener Verpflegs-Disposition gezwungen, offensive et quasi desparate den Krieg zu führen, um die Armee nach dieser erhaltenen Victori nit Hunger sterben zu lassen.“ Hatten die im freien Felde kämpfenden Truppen dergestalt unter der Ungunst der Verhältnisse zu leiden, so wurde ihr Ungemach auch noch mitunter durch Betrügereien der Proviantbeamten, „durch deren ') Bericht des Markgrafen von Baden, 26. August. Kriegs-Artdiiv 1689; Fase. VIII, 13. 2) Bericht vom 15. September. Kriegs-Archiv 1689; Fase. VIII, 19. Kriegs- Archiv 1690; Fase. II, 1.