Mittheilungen des k.k. Kriegs-Archivs (1885)
Die Ernährung und Leistungsfähigkeit der k. k. Truppen im Felde, von der Zeit des 30jährigen Krieges bis zur Gegenwart
266 Die Ernährung und Leistungsfähigkeit der k. k. Truppen im Felde Hände, wie durch ein verunreinigtes Sieb, der Armee die Gebühren zuträufelten“ ') vergrössert. Zahlreiche Klagen über unzulängliche Verpflegung erfüllen die Berichte Eugen’s und Starhemberg’s. Schreibt doch Prinz Eugen am 26. April 1705 aus Roveredo *). „— Bei dieser Beschaffenheit nun sollte ich dahinwärts (nach Mirandola) zu succuriren Uber Hals und Kopf eilen. Wie ich es aber mit nackten, blossen und verhungerten Leuten ohne Kreuzer Geld, ohne Zelter, ohne Brod, ohne Fuhrwesen und ohne Artillerie werde richten können, kommt schier auf eine Impossibilität hinaus. Viele Regimenter sind dergestalt dismontirt, dass sie zerrissener und miserabler als ein Bettler auf der Strasse aussehen, also zwar, dass sogar die Offieiere sich schämen, dieselben zu commandiren. Wenn man ein Commando nur von 100 Mann ausschickt und dieses nur eine Stunde weit geht, so bleibt gewiss der halbe Theil davon aus Mattigkeit auf der Strasse liegen, weil die Leut dergestalt ausgehungert, dass sie mehr einem Schatten, als lebenden Menschen ähnlich sind, dessen sich auch um so weniger zu verwundern ist, als sie schon über sechs Wochen lang keine Wochengelder bekommen und bei blossem Wasser und nicht einmal genügsamen Brod sich betragen müssen.“ Und dies war der Zustand einer Armee, die sich in den Winterquartieren, also gewissermassen in der Erholung befand. Freilich waren mittlerweile die früher bestandenen Ordonnanzen über die Quartiers- Verpflegung, in Folge der Unmöglichkeit, selbe den Quartiersträgern weiter aufbürden zu können, durch die Ordonnanz vom Jahre 1699 dahin geändert worden, dass die Mannschaft nun nur mehr eine Portion Brod vom Landesbewohner, für die übrigen Bedürfnisse aber nebst ihrer Löhnung noch das Äquivalent der Mund-Portion vom Ärar erhalten sollte. Die Offieiere und die zur Prima plana Gehörenden bekamen schon seit 1697 keine Natural-Verpflegung, sondern per Monat und Mund-Portion ein Pauschale von 4 Gulden 30 Kreuzer. Diese Bestimmungen änderten an dem beklagenswerthen Zustande der Heere nicht das Mindeste. Die Regierung war sich des grossen Elends wohl bewusst, aber alle ihre Bemühungen, dasselbe zu lindern, scheiterten theils an dem chronisch gewordenen Geldmangel, theils an der Widerhaarigkeit der Stände, welche die Geld- und Lebensmittel liefern sollten. Von der ausserordentlichen Tüchtigkeit der kaiserlichen Truppen gibt es Zeugniss, dass trotz dieser Mängel im Verpflegswesen sowohl im 30jährigen Kriege, wie auch in den Feldzügen des Markgrafen * 2 ') Denkschrift des General-Kriegs-Commissariats-Seeretärs Ekler. Kriegs-Archiv 1697; Pasc. XIII, 4. 2) Kriegs-Archiv, Italien 1705; Fase. IV, 10.